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Weltentwicklungsbericht: Mehr Investitionen in die Jugend in Entwicklungsländern dringend erforderlich

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Comunicado de prensa Nº:2007/56/DEC
Pressemitteilung Nr. 2007/56/DEC 
 
Kontakt: 
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Phil Hay Mobil weltweit: +1 (202) 409 2909 
phay@worldbank.org
TV/Radio: Camille Funnell Local tel no: (81) 81 5364
Cfunnell@worldbank.org
In Washington: Kavita Watsa +1 (202) 458-8810
kwatsa@worldbank.org

 
SINGAPUR, 16. September 2006 — Entwicklungsländer, die in eine bessere Bildung, Gesundheit und Berufsausbildung der Jugendlichen zwischen 12 und 24 Jahren investieren, deren Zahl mittlerweile ein Rekordniveau erreicht hat, könnten für ein kräftiges Wirtschaftswachstum und einen massiven Rückgang der Armut sorgen, so ein bei der Jahrestagung der Weltbank in Singapur vorgelegter neuer Weltbankbericht.
 
Angesichts der heute 1,3 Milliarden jungen Menschen in Entwicklungsländern—die höchste Zahl von Jugendlichen aller Zeiten—sei nun nach Aussage des Berichts der optimale Zeitpunkt gekommen, um in die Jugend zu investieren, denn diese sei gesünder und gebildeter als frühere Generationen. Außerdem werde sie, wenn sie auf den Arbeitsmarkt drängt, aufgrund des demographischen Wandels weniger Angehörige unterstützen müssen. Sollte diese Chance, die Jugend effektiver auszubilden, auf die Arbeitswelt vorzubereiten und zu aktiven Bürgern zu erziehen, jedoch ungenutzt bleiben, könnte dies weit verbreitete Enttäuschung bis hin zur Resignation sowie soziale Spannungen zur Folge haben. 
 
 „Diese hohe Zahl von jungen Menschen in Entwicklungsländern eröffnet großartige Chancen, birgt aber auch Risiken“, erklärt François Bourguignon, Chefvolkswirt der Weltbank und Senior Vice President für Entwicklungsökonomie. „Die Chancen sind gewaltig, da viele Länder über mehr qualifiziertere Arbeitskräfte mit weniger unterhaltsberechtigten Angehörigen verfügen werden. Doch diese jungen Menschen müssen gut vorbereitet werden, um gute Arbeitsplätze zu schaffen und zu finden.“
 
Wie der Bericht darlegt, stellen junge Menschen annähernd die Hälfte der Arbeitslosen in aller Welt. Beispielsweise müssten bis zum Jahr 2020 allein im Nahen Osten und in Nordafrika 100 Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden, um die Beschäftigungssituation zu stabilisieren. Außerdem deuten Umfragen unter jungen Menschen in Ostasien, Osteuropa und Zentralasien—die im Rahmen der Forschungstätigkeit für den Bericht durchgeführt wurden—darauf hin, dass der Zugang zu Arbeitsplätzen sowie der Schutz von Leib und Leben ihre wichtigsten Anliegen sind.
 
Viel zu viele junge Menschen—rund 130 Millionen 15- bis 24-Jährige—können nicht lesen oder schreiben. Eine höhere Schulbildung und der Erwerb von Qualifikationen ergeben nur Sinn, wenn die Grundschulausbildung erfolgreich abgeschlossen wurde. Das ist längst nicht immer der Fall, und die Bemühungen in diesem Bereich müssen verstärkt werden.  Darüber hinaus beurteilen mehr als 20 Prozent der Unternehmen in Ländern wie Algerien, Bangladesch, Brasilien, China, Estland und Sambia eine schlechte Schulbildung und unzureichende berufliche Qualifikationen in ihrer Belegschaft als „¬ein bedeutendes oder ernst zu nehmendes Hemmnis für ihren Geschäftsbetrieb.“ Die Lösung dieses Problems beginnt mit höheren, besseren Investitionen in die Jugend.
 
„Den meisten Entwicklungsländern bietet sich nur für kurze Zeit die Möglichkeit, dieses Problem in den Griff zu bekommen, bevor die rekordhohe Zahl von Jugendlichen älter wird und sie ihre ‚demographische Dividende’ einbüßen. Hierbei handelt es sich nicht einfach um aufgeklärte Sozialpolitik. Dies könnte eine der tiefgreifendsten Entscheidungen sein, die ein Entwicklungsland jemals trifft, um die Armut zu bekämpfen und die eigene Wirtschaft anzukurbeln“, sagt Manny Jimenez, hauptverantwortlicher Verfasser des Berichts und Direktor für menschliche Entwicklung im Bereich Ostasien und Pazifikraum der Weltbank.
 
Eine Studie führt mehr als 40 Prozent des im Vergleich zu Lateinamerika höheren Wachstums in Ostasien in den Jahren 1965-1990 auf eine progressive Politik in den Bereichen Makroökonomie, Handel, Bildung, Gesundheit und Berufsausbildung sowie den schnelleren Anstieg der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zurück.  Länder, die dieses demographische Zeitfenster verpassen, werden der weltweiten wirtschaftlichen Entwicklung künftig noch weiter hinterher hinken. 
 
Nach Angaben des Berichts wissen die meisten politischen Entscheidungsträger, dass die Jugend ihres Landes einen immensen Einfluss auf die sozialen und wirtschaftlichen Geschicke der Nation haben wird. Dennoch sei die Frage, wie sie effektiver in die Jugend investieren können, für sie ein akutes Problem. Der Weltentwicklungsbericht identifiziert drei strategische Maßnahmen der Politik, mit denen Investitionen in junge Menschen verbessert werden können: (1) Mehr Chancen schaffen, (2) Kapazitäten verbessern und (3) jungen Menschen, die aufgrund schwieriger Umstände oder ungünstiger Entscheidungen abgerutscht sind, eine zweite Chance bieten. Diese Maßnahmen gehen auf fünf grundlegende Aspekte im Leben junger Menschen ein, die Einfluss auf ihr gesamtes wirtschaftliches, soziales und familiäres Leben haben: Schulbildung erhalten, Arbeit finden, Gesundheit erhalten, Familie gründen und die Rechte als Staatsbürger ausüben.
 
Chancen—Wenn junge Menschen mehr und bessere Chancen auf eine gute Schulbildung und Gesundheit erhalten, können sie die lebensnotwendigen Fähigkeiten erwerben, um das Leben als Jugendliche und junge Erwachsene sicher und erfolgreich zu meistern, während ihnen eine bessere Berufsausbildung ermöglicht, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. Die Beteiligung der Jugend an der Politik und ihre Mitwirkung in sozialen Organisationen ist ebenfalls von zentraler Bedeutung, um das Leben der jungen Menschen als Bürger ihrer Gemeinschaft zu fördern, und außerdem unverzichtbar für eine gute Staatsführung.
 
Ohne Möglichkeiten zu einem produktiven bürgerlichen Engagement könnte die Frustration der Jugend in wirtschaftlichen und sozialen Spannungen münden und zu lang anhaltenden Auseinandersetzungen führen. Beispielsweise war der Auslöser für den langjährigen ethnischen Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen in Sri Lanka ursprünglich die aufgestaute Unzufriedenheit tamilischer Studenten, denen der Zugang zu Universitäten sowie andere Möglichkeiten des staatsbürgerlichen Engagements verwehrt worden waren.
 
Kapazitäten— Jungen Menschen Informationen zur Verfügung zu stellen und ihre Entscheidungsfähigkeit zu entwickeln, insbesondere damit sie gesund bleiben und bereit sind, stets weiter zu lernen, ist wichtig. Mit den richtigen Informationen und Anreizen gerüstet, können diese jungen Menschen gute Entscheidungen treffen.
 
Eine Analyse des indischen Programms Better Life Options, das in den Slums der Städte und in ländlichen Gebieten junge Frauen zwischen 12 und 20 Jahren über Themen wie Verhütung, Gesundheitsdienste und Berufsausbildung informiert, hat ergeben, dass Jugendliche, die an dem Programm teilnahmen, erheblich mehr Engagement bei den wichtigen Entscheidungen des Lebens zeigten als andere.
 
Zweite Chancen—Länder brauchen gezielte Programme für junge Menschen, die aufgrund schwieriger Lebensumstände oder ungünstiger Entscheidungen abgerutscht sind. Typische Probleme sind Schulabbruch, Drogensucht, Kriminalität oder Langzeitarbeitslosigkeit. Eine zweite Chance hilft diesen jungen Menschen, sich eine Zukunft aufzubauen, was sich langfristig auf die gesamte Gesellschaft positiv auswirkt. Rehabilitation ist mit hohen Kosten verbunden, doch der Nutzen ist am größten für junge Menschen, die ihr produktives Leben praktisch noch vor sich haben.
Nach Angaben des Berichts, waren in jüngster Vergangenheit 300.000 junge Menschen unter 18 Jahren in bewaffnete Konflikte verwickelt, und weitere 500.000 wurden von der Armee oder paramilitärischen Kräften rekrutiert. Die Erfahrung mit Entmobilisierungs- und Rehabilitationsprogrammen zeigt, dass junge Soldaten mit einer Berufsausbildung sowie mit medizinischer und psychologischer Betreuung wieder in ein normales Leben zurückfinden können.
 
Viele dieser Probleme mögen nicht einfach zu lösen sein. Gleichwohl können Entwicklungsländer und auch ihre junge Bevölkerung aus Dutzenden von Beispielen Mut schöpfen, bei denen es jungen Menschen mit Unterstützung durch eine kluge Politik und aufgeschlossene öffentliche Institutionen gelungen ist, nicht nur mit ihrem Leben zurecht zu kommen, sondern förmlich aufzublühen.
 
 „Die Jugend von heute verfügt über mehr Bildung, erlebt eine größere politische Offenheit und hat durch das Fernsehen, das Internet und die Migration mehr Kontakt zur Außenwelt als alle Generationen vor ihr. Und das kann ihnen die Entwicklung zu gesetzestreuen, engagierten Bürgern von morgen erleichtern”, erklärt Mamta Murthi, Co-Autorin des Weltentwicklungsberichts 2007, und leitende Ökonomin des Bereichs Europa und Zentralasien der Weltbank.
 
Nach Murthis Worten kann die gezielte Lenkung ihres Wissens und ihrer natürlichen Kreativität das Wirtschaftswachstum anregen und zu lang anhaltenden, positiven Effekten führen, die noch weit über ihre Generation hinaus spürbar sein werden. Kurz gesagt, sie werden den Ausgang des weltweiten Kampfes gegen die Armut in den nächsten 40-50 Jahren beeinflussen.

 



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