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„Eine Herausforderung an die ökonomische Staatskunst“

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Robert B. Zoellick
PrÀsident der Weltbankgruppe
Center for Global Development, Washington D.C.
2. April 2008

Im Oktober des vergangenen Jahres, kurz nachdem ich zur Weltbankgruppe kam, stellte ich ein Leitprinzip fĂŒr unsere Aufgaben vor: Hilfe beim Aufbau einer umfassenden und nachhaltigen Globalisierung – zur BekĂ€mpfung der Armut, zur Förderung eines umweltvertrĂ€glichen Wachstums und zur Schaffung von Chancen und Hoffnung fĂŒr den einzelnen Menschen.

 Einen Monat spÀter flog ich zu einem Treffen der G20 am Rande von Kapstadt, zu dem unter dem fÀhigen Vorsitz von Trevor Manuel die Finanzminister und Zentralbankchefs aus Industrienationen und EntwicklungslÀndern zusammengekommen waren.

 WĂ€hrend des formellen Meinungsaustauschs sagten einige Teilnehmer mit Blick auf die finanziellen Turbulenzen des Sommers bereits die Ereignisse voraus, die die MĂ€rkte in den folgenden Monaten erschĂŒttern sollten. Aber wie so oft waren die informellen GesprĂ€che wĂ€hrend der Kaffeepausen noch mehr mit Warnungen und risikorelevanten Fragen gespickt.

 Die darauffolgenden Monate brachten das EingestĂ€ndnis der enormen Verluste bei den Immobilienwerten und Hypotheken, Kreditverluste, Verluste von CEOs und weiterer Verluste, als neue CEOs versuchten, die Bilanzen in Ordnung zu bringen. Hinzu kamen das Trauma der Monoline-Versicherer mit Schockwirkungen auf strukturierte Transaktionen, Kontrahentensorgen und schließlich Rekapitalisierungen und Übernahmen. In jĂŒngster Zeit wurden wir Zeugen der Bilanzeinbußen bei kommerziellen Banken, die nicht unmittelbar Bewertungen zum Marktwert vornehmen mussten. Kurzfristige LiquiditĂ€t trocknete unter der Hitze der Finanz- und InformationsdĂŒrre aus. Fremdfinanzierer aller Arten – Investmentbanken, Beteiligungsfonds, Hedgefonds und sogar die kurzfristigen unbesicherten Schuldtitel der Unternehmen – rangen um LiquiditĂ€t. WĂ€hrend durstige Finanzinstitutionen ihre Reserven speicherten, schrumpfte das Modell der wertpapiermĂ€ĂŸigen Unterlegung von Kreditforderungen fĂŒr gestufte Cashflows, nachgeordneten Verluste und zusĂ€tzlichen Kreditbesicherung und ließ die Bereitsteller von Krediten auf dem Trockenen sitzen.

 Und wir sahen die menschliche Seite des Kampfes gegen diese scheinbar unpersönlichen KrÀfte.

 Die Vereinigten Staaten hatten das GlĂŒck, dass sie in dieser sorgenreichen Zeit stabile und praxisorientierte Finanzverwalter hatten: den Schatzminister Hank Paulson, den Vorsitzenden der Notenbank Ben Bernanke sowie Tim Geithner, PrĂ€sident der New York Fed. Finanzminister und Zentralbankchefs in aller Welt stehen in stĂ€ndigem und engem Kontakt.

 Teil ihrer – und unserer – Aufgabe ist es, die Auswirkungen dieses finanziellen Tumults auf die so-genannte „Real“-Wirtschaft – auf Wachstum, ArbeitsplĂ€tze, Preise, Löhne, Gewinne, Handel, Wohnungsbau und Unternehmen – und auf Einzelpersonen und Familien zu verstehen. Der finanzielle Abschwung geht zudem einher mit zwei weiteren VerĂ€nderungen: dem weltweiten Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise und dem Nachlassen der PreisdĂ€mpfung, die im Lauf des letzten Jahrzehnts daraus resultierte, dass Hunderte von Millionen neuer ArbeitskrĂ€fte aus den EntwicklungslĂ€ndern auf den weltweiten Arbeitsmarkt strömten. Wir wissen, dass die makroökonomischen Auswirkungen dieser Umkehrungen nicht gut sind, aber ihr Ausmaß und ihr genauer Einfluss sind immer noch unklar.

 Die Frage der Auswirkungen auf die „reale“ Weltwirtschaft ist das verbindende Glied zwischen der heutigen Aufregung auf den FinanzmĂ€rkten und unserer Arbeit an der umfassenden und nachhaltigen Globalisierung und Entwicklung mit ihren Auswirkungen auf diejenigen, die eine Verbesserung ihrer LebensumstĂ€nde anstreben.

 Der bemerkenswerte Unterschied zwischen diesen finanziellen Unruhen von heute und denen der Vergangenheit liegt in der Performance der Industrienationen und der EntwicklungslĂ€nder. Auf einem Seminar im August bemerkte ein mexikanischer FunktionĂ€r sĂŒffisant, dass sein Land diesmal keine Schuld trage. In der Tat mĂŒssen die Vereinigten Staaten daraus ihre Lehren ĂŒber Finanzregulierung und Aufsicht an einem sich stets wandelnden Marktplatz ziehen, und zwar noch wĂ€hrend sie mit anderen an der Beseitigung der SchĂ€den und am Wiederaufbau arbeiten.

Das Epizentrum des Bebens hat sich verlagert, aber auch die ErschĂŒtterungen haben die MĂ€rkte bisher auf unterschiedliche Weise getroffen. Die historisch knappen Kreditmargen auf die Verschuldung der SchwellenmĂ€rkte haben sich etwas ausgeweitet, im Vergleich zu fast allen anderen Kreditprodukten jedoch in bescheidenem Umfang. NatĂŒrlich bleiben die FinanzmĂ€rkte der EntwicklungslĂ€nder nicht isoliert. Devisenkurse unterliegen starken Schwankungen, die Aktienkurse in aufstrebenden MĂ€rkten erlitten Einbußen, und die Margen fĂŒr nichtstaatliche Schuldtitel sind wie allerorten betrĂ€chtlich in die Breite gegangen.

Aber etwas ist bei diesem Abschwung ganz anders, und das sollte man keinesfalls vernachlĂ€ssigen: China, Indien und andere WirtschaftsmĂ€chte im Aufschwung bieten der Weltwirtschaft alternative Wachstumspole. Das ist keine „Entkoppelung“, denn die Verflechtungen der Globalisierung werden fĂŒr eine Übertragung der Auswirkungen der Finanzprobleme und des Abschwungs in den reifen Wirtschaftsnationen sorgen, sondern vielmehr eine willkommene Diversifizierung der Wachstumsquellen. Mehr als die HĂ€lfte des weltweiten Anstiegs in der Nachfrage nach Importen kommt jetzt aus EntwicklungslĂ€ndern, was sowohl fĂŒr EntwicklungslĂ€nder als auch fĂŒr Industrienationen Exportchancen schafft. Dies kommt einer Ausbalancierung – und nicht einer Entkoppelung – gleich, die eine umfassende und nachhaltige Globalisierung stĂŒtzt. Wie die Diversifizierung fĂŒr ein Investment-Portfolio sinnvoll ist, so ist sie es auch fĂŒr die Quellen des Wachstums in der Weltwirtschaft.

 In Zeiten wie dieser wird die Staatskunst gefordert. Man muss die sich verĂ€ndernde Landschaft erkennen, wĂ€hrend die Ereignisse und das Schicksal vorbeieilen, damit dem dringendsten Bedarf abgeholfen werden kann. Gleichzeitig muss aber auch die Saat gesĂ€t werden, die eines Tages zu den StĂŒtzpfeilern der Zukunft heranwachsen wird. Heute mĂŒssen wir unmittelbaren Bedrohungen begegnen, gleichzeitig aber auch an einer umfassenden und nachhaltigen Globalisierung arbeiten, die mehr Quellen fĂŒr Wachstum und Innovation in der Zukunft bereitstellen wird, die multilaterale Zusammenarbeit fördern, um mit Schocks und KonjunkturrĂŒckgĂ€ngen umzugehen, und allen Menschen ein Höchstmaß an Chancen und Hoffnung geben.

 Deshalb werde ich vier unmittelbare Bedarfspunkte herausstellen, die auch lÀngerfristige Chancen bieten. Ich möchte jeden Punkt umsetzen.


Hohe Lebensmittelpreise: Eine neue Abmachung fĂŒr die globale Nahrungsmittelpolitik
 Mit dem Absturz der FinanzmĂ€rkte schnellten die Preise fĂŒr Nahrungsmittel in die Höhe. Seit 2005 stiegen die Preise fĂŒr Grundnahrungsmittel um 80 Prozent. Im vergangenen Monat erreichte der Realpreis fĂŒr Reis seine 19-jĂ€hrige Höchstmarke, der Realpreis fĂŒr Weizen stieg auf seinen höchsten Wert seit 28 Jahren und lag fast doppelt so hoch wie der Durchschnittspreis der letzten 25 Jahre.
 
 Was fĂŒr manche Farmer eine gute Nachricht ist, bedeutet eine erdrĂŒckende Last fĂŒr die anfĂ€lligsten Gruppen: Kinder, oft erst vier oder fĂŒnf Jahre alt, mĂŒssen die Geborgenheit ihrer lĂ€ndlichen Gemeinden verlassen, um im GewĂŒhl der StĂ€dte um Nahrung zu kĂ€mpfen. Unruhen wegen Nahrungsmitteln bedrohen das soziale GefĂŒge. MĂŒtter haben nicht genĂŒgend Nahrung, um ihre Babys gesund zu erhalten. Die Weltbankgruppe schĂ€tzt, dass 33 LĂ€nder in aller Welt auf Grund des akuten Anstiegs der Nahrungsmittel- und Energiepreise einer potenziellen Bedrohung durch soziale Unruhen ausgesetzt sind. In diesen LĂ€ndern, wo Nahrungsmittel zwischen 50 und 75 Prozent des Verbauchs ausmachen, gibt es keine Marge zum Überleben.
 
 Die RealitĂ€ten der Demographie, der sich Ă€ndernden ErnĂ€hrungsweisen, der Energiepreise und Biokraftstoffe sowie der KlimaverĂ€nderungen legen nahe, dass hohe – und volatile – Nahrungsmittelpreise uns noch ĂŒber Jahre hinweg begleiten werden.

Wir brauchen eine neue Abmachung fĂŒr die globale Nahrungsmittelpolitik. Diese neue Abmachung sollte sich nicht nur auf Hunger und UnterernĂ€hrung und auf die Versorgung mit Nahrungsmitteln konzentrieren, sondern auch auf die Verflechtungen mit Energie, Ertrag, Klimawandel, Investment, mit der Marginalisierung von Frauen und anderen und mit ökonomischer WiderstandsfĂ€higkeit und Wachstum. Nahrungsmittelpolitik muss in das Bewusstsein der höchsten politischen Ebenen dringen, denn kein Land und keine Gruppe kann im Alleingang diesen miteinander verwobenen Aufgaben begegnen.
 
Wir sollten damit beginnen, den BedĂŒrftigsten zu helfen. Das WelternĂ€hrungsprogramm der Vereinten Nationen benötigt weitere Nahrungsmittel im Wert von mindestens 500 Mio. USD, um Nothilfe leisten zu können. Die Vereinigten Staaten, die EU, Japan und andere LĂ€nder der OECD mĂŒssen jetzt handeln, um diese LĂŒcke zu schließen – andernfalls werden noch viel mehr Menschen leiden und hungern.

Exorbitante Nahrungsmittelpreise haben die Aufmerksamkeit fĂŒr die grĂ¶ĂŸere, allgemeine Herausforderung erhöht: die BekĂ€mpfung von Hunger und UnterernĂ€hrung – das „vergessene“ Millennium-Entwicklungsziel (Millennium Development Goal – MDG) der Vereinten Nationen.

Obwohl Hunger und UnterernĂ€hrung das alleroberste MDG darstellen, gibt es dafĂŒr ĂŒber die traditionelle Hungerhilfe hinaus nur etwa ein Zehntel der Ressourcen, die richtigerweise fĂŒr HIV/AIDS, einen weiteren Killer, aufgewendet werden. Und doch ist UnterernĂ€hrung das MDG mit dem grĂ¶ĂŸten „Multiplikator“-Effekt: Sie ist der grĂ¶ĂŸte Risikofaktor fĂŒr Kinder unter fĂŒnf und ursĂ€chlich dafĂŒr verantwortlich, dass jĂ€hrlich schĂ€tzungsweise 3,5 Mio. von ihnen sterben. Mehr als 20 Prozent der MĂŒttersterblichkeit lĂ€sst sich auf UnternernĂ€hrung zurĂŒckfĂŒhren. ImmunitĂ€t wird abgeschwĂ€cht bis zur Erkrankung. Untersuchungen in Guatemala haben gezeigt, dass Jungen, die in den ersten beiden Lebensjahren NahrungsergĂ€nzungsprĂ€parate bekamen, als Erwachsene durchschnittlich um 46 Prozent höhere Löhne bezogen. Wenn verarmte Familien den GĂŒrtel enger schnallen mĂŒssen, dann sind junge MĂ€dchen die ersten Verliererinnen. Hunger und UnterernĂ€hrung sind eine Ursache, nicht nur ein Ergebnis von Armut.

Diese neue Abmachung erfordert ein solideres Bereitstellungssystem, damit die Aufspaltung in die Bereiche in Nahrungsmittelsicherheit, Gesundheit, Landwirtschaft, Wasser, Hygiene, lĂ€ndliche Infrastruktur und Geschlechterpolitik ĂŒberwunden werden kann.

Eine Umstellung von traditioneller Hungerhilfe auf ein breiteres Konzept der Nahrungsmittel- und ErnĂ€hrungshilfe muss Teil dieser neuen Abmachung sein. In vielen FĂ€llen sind Bargeld oder Gutscheine – im Gegensatz zu Rohstoffen – geeignet und können die UnterstĂŒtzung zum Aufbau von LebensmittelmĂ€rkten und Agrarproduktion vor Ort einleiten. Wenn Rohstoffe benötigt werden, kann der Einkauf bei heimischen Bauern die Gemeinden stĂ€rken. Mit Geldmitteln lassen sich standortspezifische MikronĂ€hrstoffe kaufen. Schulspeisungsprogramme locken Kinder ins Klassenzimmer, gleichzeitig erleichtern sie gesunden Kindern das Lernen, und manche Programme bieten auch den Eltern Essen an.

Die Weltbankgruppe kann helfen, indem sie Notfallmaßnahmen zur UnterstĂŒtzung der Armen sichert, gleichzeitig aber auch Anreize gibt, im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung Nahrungsmittel zu produzieren und zu vermarkten. So unterschiedliche LĂ€nder wie Bhutan und Brasilien, Madagaskar und Marokko haben ErnĂ€hrungsprogramme fĂŒr anfĂ€llige Gruppen. Mosambik, Kambodscha und Bangladesh setzen Programme fĂŒr standortrelevante öffentliche Arbeiten im Gegenzug fĂŒr Nahrung ein: Straßenbau, Brunnen, Schulen, Schutz vor Naturkatastrophen und Forstarbeit. Andere LĂ€nder wie China, Ägypten, Äthiopien und Mexiko bieten Geld bei Schritten zur Selbsthilfe, z.B. Kinder in die Schule schicken oder Vorsorgeuntersuchungen. LĂ€nder mĂŒssen auch gefĂ€hrliche HĂŒrden im Handel mit Nahrungsmitteln abbauen, weil diese bedĂŒrftige Nachbarn grĂ¶ĂŸeren Risiken aussetzen und produktionsstimulierende Signale ersticken.

Wir werden gemeinsam mit den LĂ€ndern, vor allem in Afrika, und mit Partnerinstitutionen daran arbeiten, dass der höhere Bedarf an Nahrungsmitteln zur Chance wird. Unser Weltentwicklungsbericht 2008 „Landwirtschaft fĂŒr Entwicklung“ weist den Weg. Wir können zur Schaffung einer „GrĂŒnen Revolution“ im Afrika sĂŒdlich der Sahara beitragen, indem wir die LĂ€nder bei der Steigerung ihrer ProduktivitĂ€t in der gesamten Agrarwertschöpfungskette unterstĂŒtzen und Kleinbauern beim Durchbrechen des Armutszyklus helfen. Wir werden unsere Agrardarlehen fĂŒr Afrika von 450 Mio. auf 800 Mio. USD nahezu verdoppeln, und wir können LĂ€ndern und Bauern beim Management systemischer Risiken helfen; dazu gehören auch finanzielle Innovationen zum Schutz gegen witterungsbedingte UnwĂ€gbarkeiten wie etwa DĂŒrre. Wir können Zugang zu Technologie und Wissenschaft bieten, um die ErtrĂ€ge zu steigern.

Die Internationale Finanz-Corporation (International Finance Corporation – IFC) ist unser Arm auf dem Privatsektor. Sie wird die UnterstĂŒtzungsarbeit in den Bereichen Investment und Beratung im Agrarbusiness in Afrika und anderswo erhöhen, so etwa durch die Arbeit mit der Weltbank zu Landbesitz und ProduktivitĂ€t, Finanzierung in LandeswĂ€hrung, Arbeitskapital, Vertrieb und Logistik und UnterstĂŒtzung fĂŒr die Zwischenleistungen, ohne die die Bauern nicht auskommen.

Die grĂ¶ĂŸten Erfolgsaussichten haben wir, wenn wir viele verschiedene Partner integrieren und mobilisieren können: die FAO, das WelternĂ€hrungsprogramm der Vereinten Nationen und IFAD, weitere MDBs, private Geber wie die Gates Foundation, landwirtschaftliche Forschungsinstitute, EntwicklungslĂ€nder mit großer Erfahrung im Agrarbereich, wie Brasilien, und vor allem den Privatsektor.

Eine neue Abmachung fĂŒr weltweite Nahrungsmittelpolitik wird zu umfassender und nachhaltiger Entwicklung beitragen. Arme LĂ€nder, LĂ€nder mit mittlerem Einkommen und Industrienationen werden gemeinsam davon profitieren. GewinnzuwĂ€chse aus der Landwirtschaft sind bei der BekĂ€mpfung von Armut dreimal so wirkungsvoll wie Steigerungen in anderen Sektoren, und 75 Prozent der Armen auf der Welt gehören zur Landbevölkerung und sind meist in der Landwirtschaft tĂ€tig. Fast alle Frauen, die auf dem Land leben und zur Volkswirtschaft von EntwicklungslĂ€ndern beitragen, arbeiten in der Landwirtschaft. Mit UnterstĂŒtzung können die Frauen die Chancen des globalisierten Nahrungsmittelbedarfs wahrnehmen.


Jetzt oder nie: ein globales Handelsabkommen
Die Armen brauchen niedrigere Preise fĂŒr Nahrungsmittel, und zwar jetzt. Aber das Agrarhandelssystem der Welt ist in der Vergangenheit stecken geblieben. Wenn es je einen Zeitpunkt gibt, um verzerrende Agrarsubventionen abzuschaffen und die MĂ€rkte fĂŒr Nahrungsmittelimporte zu öffnen, dann jetzt. Und wenn nicht jetzt, wann dann? 

 Ein gerechteres und offeneres globales Handelssystem fĂŒr die Landwirtschaft gibt Bauern in Afrika und anderen EntwicklungslĂ€ndern mehr Chancen – und Selbstvertrauen – zur Ausweitung ihrer Produktion. Die Weltbankgruppe kann EntwicklungslĂ€ndern beim Ergreifen dieser Möglichkeiten helfen, indem sie die HandelskapazitĂ€t ausweitet, HĂŒrden auf dem Weg zu den MĂ€rkten ĂŒberwindet und bei der Handelsfinanzierung hilft. Steuerzahler und Regierungen können die Kosten fĂŒr Subventionen sparen und ihren Haushalt verbessern.

 Die Lösung liegt darin, das Patt der Doha-Entwicklungsagenda 2008 zu ĂŒberwinden. Der Generaldirektor der Welthandelsorganisation (World Trade Organisation – WTO) Pascal Lamy wird in den kommenden Wochen ein Treffen der Handelsminister einberufen. Das ist der entscheidende Augenblick fĂŒr die Doha-Runde. Lamy hat mit Geduld und Nachdruck mit den Vorsitzenden der WTO-AusschĂŒsse der Verhandlungsgruppen am Abbau der Differenzen gearbeitet. Es geht um eine ganze Menge. Jetzt oder nie.

Das angestrebte Ergebnis ist ehrgeizig: Die Senkung von Schutzzöllen fĂŒr Agrar- und Industrieprodukte soll ĂŒber Formeln erfolgen, die höhere Zahlen um mehr als einen linearen Prozentsatz senken. Höhere Farmsubventionen werden ebenfalls stĂ€rker gekĂŒrzt.

 Die Hauptaufgabe liegt nun darin, die starken, progressiven Zollsenkungen mit „FlexibilitĂ€ten“ auszugleichen, die Ausnahmeregelungen erlauben. Diese Ausnahmeregelungen dĂŒrfen aber die Zollsenkungen nicht wieder zunichte machen. Nach Möglichkeit sollten diese FlexibilitĂ€ten bei wachsenden Volkswirtschaften nach wie vor Chancen zur Ausweitung des Handels bieten.

 Einige VorschlĂ€ge gingen dahin, dass EntwicklungslĂ€nder im Agrarsektor profitieren und dafĂŒr die Schutzzölle fĂŒr IndustriegĂŒter aufgeben sollen. Das ist irrefĂŒhrend. In Anbetracht der gestiegenen Fertigungsquoten in EntwicklungslĂ€ndern und des globalen Sourcing werden sowohl EntwicklungslĂ€nder als auch Industrienationen von niedrigeren Handelsbarrieren fĂŒr GĂŒter profitieren. Diese Vereinbarung sollte auch die MĂ€rkte fĂŒr Dienstleistungen stĂ€rken, die einen immer grĂ¶ĂŸeren Anteil am BIP weltweit ausmachen, ermöglichen sie doch nationale Entwicklung und Infrastruktur und ergĂ€nzen die Maßnahmen zur Erleichterung des Handels. Diese Vereinbarung kann auch die „Regeln“ klĂ€ren, die Handel behindern.

 Diese Verhandlungen sind keine weltweiten Pokerturniere, wo die Minister ihre Karten fest in der Hand halten und am Schluss ein Gewinner die Chips abrÀumt. Diese Verhandlungen sind komplexe Aufgabenstellungen. Jeder muss mit Vorteilen und politischen ErklÀrungsmöglichkeiten nach Hause kehren.

 Maßgebliche Politiker mĂŒssen auch auf die „Vorteile fĂŒr die Allgemeinheit“ drĂ€ngen. Diese Vereinbarung wĂŒrde zu umfassender und nachhaltiger Globalisierung beitragen: mehr Chancen fĂŒr große und kleine EntwicklungslĂ€nder, Ă€rmere LĂ€nder und LĂ€nder mit mittlerem Einkommen, um produktiver zu werden und die Preise durch Handel zu senken; ein stĂ€rkeres GefĂŒhl der Fairness fĂŒr alle in der internationalen Wirtschaft, die durch die Modernisierung eines 50 Jahre alten Systems erreicht wurde. Ein Durchbruch in der Doha-Runde wĂŒrde auch Vertrauen in ein Wirtschaftssystem fließen lassen, dass von finanziellen Sorgen geplagt ist.

 Dieser Moment ist nicht nicht nur fĂŒr die Doha-Runde, sondern fĂŒr den Handel selbst entscheidend. Laute Stimmen im gesamten politischen Spektrum, so auch in meinem eigenen Land, verlangen nach Protektionismus und liefern auch gleich die BegrĂŒndung dazu. Dieser wirtschaftliche Isolationismus signalisiert eine Hoffnungslosigkeit, die die Verluste und nicht die Gewinne der Globalisierung einfĂ€hrt.

 In dieser Epoche der Globalisierung werfen die Doha-Verhandlungen ihre Schatten weit ĂŒber Handel und traditionelle Ökonomie hinaus. Diese HandelsgesprĂ€che sind ein entscheidender Probelauf fĂŒr eine weltweite Vereinbarung zum Klimawandel. Die Ökonomie, die Handelsvereinbarungen zugrunde liegt, ist seit vielen Jahren allgemein akzeptiert. Wenn Verhandlungspartner aus 150 Volkswirtschaften die politischen ZugestĂ€ndnisse der Doha-Runde nicht handhaben können, um sich die klaren Vorteile zu sichern, dann ist das kein gutes Omen fĂŒr eine neue Vereinbarung zum Klimawandel zwischen Industrie- und EntwicklungslĂ€ndern.


Umkehr des Ressourcenfluchs: EinfĂŒhrung der Transparenzinitiative im Rohstoffsektor++
 Die hohen Preise, die heute fĂŒr Energie und Mineralstoffe gelten, stellen fĂŒr einige Kosten dar, bieten jedoch anderen in EntwicklungslĂ€ndern gewaltige Chancen. Einige LĂ€nder haben ihre Rohstoffvorkommen als Sprungbrett fĂŒr Entwicklung genutzt, fĂŒr andere jedoch kann dieser Schatz zum Fluch werden. Sowohl reife Volkswirtschaften als auch EntwicklungslĂ€nder haben die Risiken dieser Sektoren erlebt: „duale“ Volkswirtschaften, die einen Großteil der Bevölkerung ausschließen; Korruption bei Lizenzvergaben und BegĂŒnstigungen; volatile Renditen, die FunktionĂ€re in Versuchung fĂŒhren und die Nachhaltigkeit von Haushalten und Wachstum schwĂ€chen; die „HollĂ€ndische Krankheit“ von Wechselkursen, die von Rohstoffexporten getrieben werden und Handel und BeschĂ€ftigung auf breiterer Basis schĂ€digen; „Vermietung“ von Ressourcen, die Konflikte zwischen profitgierigen Fraktionen schĂŒrt; gewaltige Kosten fĂŒr die Umwelt; und sogar das GefĂŒhl von SouverĂ€nitĂ€tsverlust, wenn einige wenige Privilegierte vom Ausverkauf des „nationalen Vermögens“ zu profitieren scheinen.

 Die Transparenzinitiative fĂŒr den Rohstoffsektor (Extractive Industries Transparency Initiative – EITI) wurde 2002 vom britischen Premierminister Tony Blair mit der Zusage der afrikanischen Regierungschefs in der NEPAD (New Partnership for Africa’s Development) ins Leben gerufen. EITI verbessert die RegierungsfĂŒhrung in rohstoffreichen LĂ€ndern, indem sie die vollstĂ€ndige Veröffentlichung und PrĂŒfung von Unternehmenszahlungen und RegierungseinkĂŒnften aus Öl, Gas und Bergbau verlangt. EITI hat sich zu einer internationalen Koalition aus Regierungen, der Weltbankgruppe, Öl-, Gas- und Bergbaugesellschaften, Industrieorganen, Anlegern und Organisationen der Zivilgesellschaft wie Transparency International, Oxfam und Global Witness entwickelt. Heute wenden vierundzwanzig LĂ€nder EITI an – siebzehn davon im Afrika sĂŒdlich der Sahara.

 Aber die Transparenz der EinkĂŒnfte ist nicht genug. Um sicherzustellen, dass die hohen Preise fĂŒr Energie und Rohstoffe auch zu Verbesserungen der LebensumstĂ€nde der Armen fĂŒhren, arbeiten wir gemeinsam mit unseren Kunden in den EntwicklungslĂ€ndern und anderen Partnern an der Ausweitung der von der EITI aufgestellten Konzepte Transparenz und gute RegierungsfĂŒhrung nach beiden Richtungen – wir wollen damit EITI++ zur umfassenden ErgĂ€nzung des ursprĂŒnglichen Projekts machen. Wir zeigen Schritte auf, wie die Rohstoffindustrie zu nachhaltiger Entwicklung beitragen kann, indem die Risiken entlang der Wertschöpfungskette angegangen werden. Auftragsvergabe, Überwachung von AblĂ€ufen, Einziehung von Steuern, Verbesserung des Rohstoffabbaus sowie wirtschaftliche Managemententscheidungen, bessere Handhabung der PreisvolatilitĂ€t und die effektive Investition der EinkĂŒnfte in nachhaltige Entwicklung werden dazu gehören.

Damit wir jetzt beginnen können, befassen wir uns mit der Konzeption einer FazilitĂ€t, die mithilfe einer weitaus schnelleren Bereitstellung von Hilfsmitteln als bei unserer traditionellen Kreditvergabe die LĂ€nderregierungen beim Aufbau ihrer KapazitĂ€ten unterstĂŒtzen soll. Wir werden an der Entwicklung und Verbreitung guter Praktiken, Standards und Verhaltensnormen arbeiten und VorschlĂ€ge fĂŒr fiskalische, rechtliche und regulatorische Rahmenwerke unterbreiten. FĂŒr die Entwicklung dieser Ideen streben wir die stĂ€rkstmöglichen Partnerschaften mit unseren Kunden an, weil der Ansatz der „nationalen Eigenverantwortung“ der EITI++ ganz entscheidend fĂŒr ihren Erfolg ist. Wir werden außerdem einen Beratungsausschuss aus Interessenvertretern zusammenstellen.

 Zum Beispiel arbeiten wir gemeinsam mit der Afrikanischen Entwicklungsbank, der Afrikanischen Union, der Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten und der Westafrikanischen WĂ€hrungsunion an der EinfĂŒhrung von EITI++ in Guinea. Die erfolgreiche Erschließung des Rohstoffreichtums in Guinea kann die nachhaltige Entwicklung fĂŒr die gesamte Region stĂ€rken.

EITI++ kann umfassende und nachhaltige Globalisierung fördern, indem sie die Vorteile der Rohstofferschließung fĂŒr mehr Menschen zugĂ€nglich macht. KorruptionsbekĂ€mpfung und Transparenz stĂ€rken das Vertrauen der BĂŒrger in ihre Regierungen als TreuhĂ€nder des Gemeinwohls. Die Achtung der Umwelt wird zu nachhaltigem Wachstum beitragen. Und effektiver Zugang zu diesen Mineral- und Energieressourcen ĂŒber Konjunkturzyklen hinweg wird die Nachhaltigkeit der Vorteile, die die Globalisierung bietet, auch fĂŒr andere stĂ€rken.


Eine „Ein-Prozent-Lösung“ fĂŒr Kapitalbeteiligungen in Afrika
 Die wachsenden Volkswirtschaften Chinas, Indiens und Brasiliens sowie anderer LĂ€nder stellen neue Wachstumspole dar und fĂŒhren damit zu StĂ€rkung und Ausgleich der internationalen Wirtschaft. Sie sind neue „Interessenvertreter“ in der Globalisierung. Die Weltbankgruppe wird auch auf Möglichkeiten achten, um diesen Kunden zu helfen, wenn der Kreditsturm und die LiquiditĂ€tsdĂŒrre Kurs auf sie nehmen werden.   

Wir haben dabei auch ein ĂŒbergeordnetes strategisches Ziel: Wir mĂŒssen es den im Wachstum begriffenen Volkswirtschaften Afrikas ermöglichen, in den nĂ€chsten 10 bis 15 Jahren zu einem ergĂ€nzenden Wachstumspol zu werden.

Ein Schritt in diese Richtung wird eine „Ein-Prozent-Lösung“ fĂŒr Kapitalbeteiligungen in Afrika sein, mit deren Ausarbeitung wir uns gerade befassen. Manche mögen staatliche Fonds als Quell der Besorgnis betrachten, wir sehen darin Chancen. Heute halten staatliche Vermögensfonds Werte in einer geschĂ€tzten Höhe von 3 Billionen USD. Wenn die Weltbankgruppe Plattformen fĂŒr Kapitalbeteiligungen und OrientierungsgrĂ¶ĂŸen schaffen kann, um diese Investoren anzuziehen, dann wĂŒrde die ZufĂŒhrung von nur einem Prozent ihres Vermögens 30 Mrd. USD fĂŒr Wachstum, Entwicklung und Chancen in Afrika bringen. Dieses eine Prozent könnte der Anfang eines weitaus grĂ¶ĂŸeren Projekts ĂŒber mehrere Fonds und LĂ€nder hinweg sein, weil die Investition von Vermögen in Entwicklungskapital Chancen bietet und kein Angstfaktor ist.

Zweifler mögen ihr Haupt schĂŒtteln. Man denke jedoch einmal an die Unsicherheiten, die die Prognosen fĂŒr China und Indien 1993 begleiteten. FĂŒnf Jahre spĂ€ter blickte die Welt auf China, damit die WĂ€hrungsstabilitĂ€t in der Ostasienkrise gewahrt bliebe. Heute sind China und Indien Motoren, die zwar noch komplexen und schwierigen Problemen gegenĂŒber stehen, das Wachstum aber vorantreiben. Ziele, die heute unmöglich erscheinen, können morgen schon selbstverstĂ€ndlich sein.  

 Und wie steht es mit Afrika? Zwischen 1995 und 2005 legten 17 LĂ€nder im Afrika sĂŒdlich der Sahara, die 36 Prozent der Bevölkerung ausmachen, , ein durchschnittliches Wachstum von 5,5 Prozent vor, und das ohne die Impulse großer Rohstoffvorkommen. Acht Ölfördernationen, in denen weitere 29 Prozent der Bevölkerung leben, wuchsen im selben Zeitraum im Durchschnitt um 7,4 Prozent.

 Diese LĂ€nder wollen auf dem Fundament der sozialen Entwicklung, wie sie in den MDGs festgeschrieben ist, aufbauen. Sie wollen wachsen. Sie brauchen gĂŒnstige, verlĂ€ssliche Energie, Infrastruktur, regionale Integration mit Zugang zu den WeltmĂ€rkten sowie stĂ€rkere Privatsektoren.

 Sie bieten Investmentchancen.
 
Aus dem Recyceln der Petrodollar der 1970er haben wir gelernt, dass Kapitalbeteiligungen nachhaltiger sind als Schulden. Mehrere Fonds in SchwellenmÀrkten haben bereits mit langfristigen Investitionen in Afrika begonnen.

 Es ist eine Ironie der heutigen Weltwirtschaft, dass zwar die kurzfristige LiquiditĂ€t verloren gegangen ist, langfristige LiquiditĂ€t jedoch in reichem Maße vorhanden ist. Als Beispiel ziehe man nur die staatlichen Vermögensfonds heran, ein weiteres deutliches Merkmal der neuen Globalisierung und des wachsenden Einflusses der EntwicklungslĂ€nder.

Einige staatliche Fonds bauen auf der Nachfrage nach Öl und anderen Rohstoffen auf. Andere wieder, vor allem in Ostasien, gingen aus dem Trauma von 1997/98 hervor: Zur „Selbstversicherung“ gegen Katastrophen auf den KapitalmĂ€rkten legten Regierungen Reservepolster auf der Grundlage von Wechselkurspolitiken, HandelsĂŒberschĂŒssen und vorsichtiger Fiskalpolitik an.

Staatliche Fonds dienen bereits als StĂŒtze fĂŒr die Rekapitalisierung von Finanzinstitutionen. Ich gehe davon aus, dass sie in den kommenden Monaten die Globalisierung weiter aufrecht erhalten und eine noch grĂ¶ĂŸere Reichweite zeigen werden – durch weitere Kapitalbeteiligungen, wĂ€hrend der Abbau der Fremdfinanzierung der Finanzsysteme seinen Lauf nimmt und bessere Informationen die besten KĂ€ufe klĂ€ren.

 Ja, die staatlichen Fonds brauchen Transparenz und mĂŒssen von besten Praktiken geleitet werden, damit eine Politisierung vermieden wird. Aber ich bin der Auffassung, dass wir die Gelegenheit feiern sollten, dass regierungsgestĂŒtzte Fonds Kapital in die Entwicklung investieren.
 
 Die Weltbankgruppe kann, vor allem durch die IFC, bei der VerknĂŒpfung langfristiger globaler LiquiditĂ€t mit der Investitionschance in Afrika helfen. Die IFC hat seit ihrer GrĂŒndung rund 8 Mrd. USD im Afrika sĂŒdlich der Sahara investiert, 160 Mio. USD davon allein im letzten Jahr. Die IFC richtet zwei neue Fonds zu 100 Mio. USD fĂŒr Infrastruktur und Mikrokapital ein. Wir glauben, dass die Kapitalaussichten rasch expandieren. Die IFC arbeitet jetzt an einer offenen Architekturplattform fĂŒr Fonds und nutzt dabei den Zugang, das Wissen und Kapital der IFC, begrĂŒĂŸt aber auch die Zusammenarbeit mit Regierungen und ihren Fonds.

Wir können anderen Anlegern ĂŒber die anfĂ€nglichen HĂŒrden hinweghelfen, die sich bei der Investition in neue Kapitalbeteiligungen in Afrika ergeben. Wir können LĂ€ndern bei der Lösung rechtlicher Hindernisse helfen und die regulatorischen und Preisfindungsvorgaben fĂŒr Infrastrukturinvestitionen verbessern. MIGA kann politische Risikoversicherung bieten.

 Dann können staatliche Vermögensfonds zu uns kommen, sogar mit uns investieren, und zwar nicht als weitere Quelle der Entwicklungshilfe, sondern vielmehr als langfristige Anleger. Unsere Position macht uns zu einem „bevorzugten Partner“.

Genauso, wie das Projekt GEMLOC der Weltbankgruppe die Entwicklung von einheimischen SchuldtitelmĂ€rkten in den LandeswĂ€hrungen der EntwicklungslĂ€nder als separate Vermögensklasse fördert, die gegen einen neuen Leistungsindex gemessen wird, können wir die ZufĂŒhrungen der Investoren zu afrikanischem Kapital als tragfĂ€hige „Pionier“-Vermögensklasse fördern. Diese Vermögenswerte werden sowohl in geografischer Hinsicht als auch im Hinblick auf das Anlageinstrument die Ertragskraft und die Streuung der Portefeuilles vorteilhaft beeinflussen.

 Durch ihre UnterstĂŒtzung bei der Erstellung neuer Indizes fĂŒr Geldanlagen in Afrika wird die Weltbankgruppe auch Investoren anziehen, die OrientierungsgrĂ¶ĂŸen fĂŒr Performance benötigen. Dann können wir oder andere Institutionen Indexfonds fĂŒr Afrika entwickeln. Im Lauf der Zeit können diese Instrumente ein breiteres Spektrum an Anlegern anziehen, so etwa auch Pensionsfonds.

 Diese „Ein-Prozent-Lösung“ ist ein Weg, um Afrika an den Gewinnen der Globalisierung teilhaben zu lassen. Sie ist eine Strategie, um das globalisierte System zu stĂ€rken, Wachstumsquellen hinzuzufĂŒgen und die Nachhaltigkeit der Globalisierung zu fördern.


Schlussbemerkung:
 Bismarck sagte einmal, man erkenne einen Staatsmann daran, dass er Fortuna selbst im Vorbeieilen wahrnimmt, so dass er sie an ihrem Mantelsaum fassen kann.

 Das ist ein Augenblick der Staatskunst in der politischen Ökonomie.

 Alte Strukturen weichen auf. Neue Quellen der Wirtschaftskraft streben empor. Aber unsere Sicht ist durch die stĂŒrmischen MĂ€rkte getrĂŒbt, da Firmen und Finanzvermögen, die kommerziellen „Imperien“ unserer Zeit, verschwinden und wieder neu entstehen.

 Die Weltbankgruppe hat sechs strategische Themen skizziert, die uns die Notwendigkeiten und Chancen beim Vorbeieilen Fortunas aufzeigen. Sie richten unser Augenmerk auf neue Entwicklungslösungen fĂŒr die Ă€rmsten LĂ€nder, auf Staaten, die vor dem Zusammenbruch oder in der Konfliktfolgezeit stehen, auf LĂ€nder mit mittlerem Einkommen, auf die Integration von Gemeinwohl, wie etwa das Klima und seine VerĂ€nderung, in unsere Arbeit; auf Chancen in der arabischen Welt sowie auf die stĂ€ndige Vertiefung unseres Wissens und Lernens.

 Unsere Aufgabe liegt darin, praktische Schritte zu unternehmen, und zwar jetzt, die Arbeit bedeuten und von einer strategischen Perspektive geleitet sind.

 Was ist grundlegender – in der Vergangenheit wie in der Zukunft – als Nahrung, Energie, Rohstoffe, Handel und der geregelte Fluss von Kapital in produktive Beteiligungen in chancenreichen Regionen, die durch gute RegierungsfĂŒhrung gestĂ€rkt werden? Die Chance einer sich Ă€ndernden globalen Landschaft ergreifen: das ist die Herausforderung an unsere ökonomische Staatskunst.

 





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