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Информационный бюллетень №:2000/117/S
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Washington, 7. Dezember 1999 — Das Wirtschaftswachstum der Entwicklungsländer wird im Jahre 1999 2,7 % betragen und sich im Jahre 2000 auf 4,2 % beschleunigen. Für die Entwicklungsländer - mit Ausnahme der Transformationsländer - wird der Zuwachs bedeutend geringer sein als die Wachstumsrate in den 90er Jahren vor der Krise. Obwohl sich die Weltwirtschaft unerwartet schnell erholt, drücken die Nachwirkungen der weltweiten Finanzkrise auf das Produktionsniveau der Entwicklungsländer und erschweren so die Bemühungen, die Armut weltweit zu senken. Zu diesen Ergebnissen kommt ein neuer Bericht der Weltbank, der heute veröffentlicht wird.

In diesem und dem kommenden Jahr wird ein starkes Wirtschaftswachstum für Asien erwartet, da sich die von der Krise betroffenen Länder von der Rezession erholen. Gleichwohl wird dies trotz der weiterhin krisenfesten Leistungen in China und Indien weit unter den Durchschnittswerten der Vergangenheit liegen. Außerhalb Asiens wird das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in den Entwicklungsländern im Jahr 1999 sogar sinken.

Dem Jahresbericht der Weltbank über die Aussichten der Entwicklungsländer - Global Economic Prospects and the Developing Countries 2000 - zufolge, erholen sich die Länder von der Finanzkrise nur vorsichtig und ungleichmässig, wobei sich in einigen Regionen der Aufschwung sehr viel rascher vollzieht als in anderen.

"Ein verbessertes äußeres Umfeld, günstige Entwicklungspolitiken in den aufstrebenden Märkten und steigendes Vertrauen bei den inländischen sowie, wenn auch in geringerem Maße, bei den ausländischen Investoren sollten dazu beitragen, das Wachstum in den Entwicklungsländern in den kommenden zwei Jahren zu beschleunigen," meint Uri Dadush, Direktor der Development Prospects Group der Weltbank. Der Bericht prognostiziert, dass der Welthandel im Jahre 1999 um 5 %, im Jahr 2000 um 6,4 % und im Jahr 2001 um 6,3 % steigen wird.

Mittelfristiger Ausblick und Aussichten für die Bekämpfung der Armut

Dem Bericht zufolge wird - sobald die Auswirkungen der Krise abklingen - das Wachstum in den Entwicklungsländern (ohne Transformationsländer) in den Jahren 2002 bis 2008 jährlich durchschnittlich 5 % betragen, d.h. sehr viel höher liegen als in den Industriestaaten. Nichtsdestotrotz wird damit das Wachstum in den Entwicklungsländern deutlich niedriger ausfallen als in den 90er Jahren vor der Krise. Die tief angesetzte Prognose beruht auf der Annahme, dass die Kapitalflüsse sich erst nach einiger Zeit erholen, dass sie volatil bleiben und dass die Rohstoffpreise wahrscheinlich nicht sofort von ihren kürzlich erreichten historischen Tiefstwerten abheben werden. Außerdem hat die Krise ernsthafte strukturelle Schwächen in den Entwicklungsländern - vor allem in den Finanzsystemen und den öffentlichen Haushalten - aufgedeckt und in einigen Fällen sogar intensiviert. Die Lösung dieser Probleme wird längere Zeit in Anspruch nehmen. Diese strukturellen Schwächen setzen die Entwicklungsländer abermals neuen Phasen der Unbeständigkeit aus.

"Man ist sich zunehmend einig, dass die internationale Gemeinschaft Mittel und Wege finden muss, um Häufigkeit und Schwere von Wirtschaftskrisen zu reduzieren, damit die positive Wirkung des Wachstums, die mit der Öffnung der Märkte einhergehen kann, maximiert wird," meint Joseph Stiglitz, Chefökonom der Weltbank und Leitender Vizepräsident für Entwicklungswirtschaft.

 

Global Economic Prospects enthält erstmals Prognosen über die Reduzierung der Armut in Entwicklungsländern. Der Bericht beschreibt zwei Szenarien, wie die Anzahl der Menschen, die in extremer Armut - d.h. mit weniger als einem Dollar pro Tag - leben, in den nächsten zehn Jahren verringert werden könnte. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass der Kampf gegen die Armut in vielen Entwicklungsländern das vorgegebene Ziel wahrscheinlich nicht erreichen wird, welches sich die internationale Gemeinschaft gesetzt hat, namentlich bis zum Jahre 2015 die Armut um die Hälfte zu reduzieren.

  • Unter Berücksichtigung der Annahmen über Wachstum und über Änderungen der Ungleichheit scheinen Ost- und Südasien auf dem richtigen Weg zu sein, um die Armut bedeutend zu senken, vorausgesetzt, dass die Ungleichheit nicht zunimmt und keine neue Krise einsetzt, die den Fortschritt untergräbt. Da Asien auf soliden Wachstumsleistungen aufbauen kann und relativ geringe Ungleichheiten aufweist, sollte Asien in der Lage sein, die Armut um 50 % zu reduzieren, selbst wenn das Wachstum leicht unter den vom Bericht prognostizierten Werten liegen sollte.
  • Auch in Osteuropa und in Zentralasien sowie im Nahen Osten und in Nordafrika könnte die Armut deutlich gesenkt werden. Doch ist der Spielraum hier schmaler. Ein leichter Rückgang des Wachstums gegenüber den prognostizierten Werten oder eine Intensivierung der Ungleichheit könnten in begrenztem Fortschritt oder gar einen Anstieg der Armut resultieren.
  • In Subsahara-Afrika hingegen wird die Zahl der Menschen, die in Armut leben, wahrscheinlich ansteigen, auch wenn das prognostizierte Wirtschaftswachstum erzielt wird und die Ungleichheit nicht zunimmt. Es ist zudem unwahrscheinlich, dass die Anzahl der in Armut lebenden Menschen in Lateinamerika deutlich reduziert werden kann.

"Diese unterschiedlichen Aussichten der einzelnen Regionen unterstreichen die Notwendigkeit, eine Entwicklungspolitik zu betreiben, die beides erzielen kann, hohes und gleichmäßiges Wachstum," meint Mustapha Nabli, Senior Economic Advisor in der Development Prospects Group der Weltbank und Hauptverfasser des Berichts.

 

Im Bericht wird hervorgehoben, dass sich die Aussichten für offizielle Kapitalflüsse - Geld von Geberländern und Institutionen wie der Weltbank, in bescheidenem Maße verbessern werden. In einem wichtigen Schritt vorwärts haben sich die Geberländer geeinigt, die Entschuldung der sehr armen Länder zu beschleunigen, die eine gesunde und solide Wirtschaftspolitik betreiben. Es ist zu erwarten, dass die neuen Leitlinien für die Heavily Indebted Poor Countries Initiative (HIPC - Initiative für stark verschuldete arme Länder) die Zahl der Länder, die Anspruch auf Schuldenerlass erheben können, von 29 auf über 36 anheben und den Betrag, der für die Entschuldung zur Verfügung steht, auf über 27 Milliarden US$ verdoppeln werden.

Durch die Krise aufgeworfene Fragen

 

Der Bericht erörtert drei Aspekte der andauernden Auswirkungen der Weltkrise auf das Wirtschaftswachstum und den Wohlstand in den Entwicklungsländern, namentlich die Auswirkungen auf die Armut, anhaltende strukturelle Probleme in den ostasiatischen Volkswirtschaften und der Druck auf die Rohstoffpreise mit den wahrscheinlichen Folgen für die Länder, die stark vom Export von Öl und sonstigen Rohstoffen abhängen.

Erstens zeigt der Bericht auf, dass die Krise 1998 in den ostasiatischen Krisenländern und Russland die Armut erhöhte, was wiederum den bei der Bekämpfung der Armut in den frühen 90er Jahren erzielten Fortschritt weltweit zum Stillstand brachte. Die Armut der städtischen Bevölkerung in allen ostasiatischen Krisenländern erhöhte sich im Jahr 1998. So wuchs etwa die in Armut lebende Stadtbevölkerung Koreas von 9 % im Jahr 1997 um mehr als das Doppelte an auf 19 % im Jahr 1998.

Auch der Reallohn sank in den Krisenländern. In Indonesien fiel er 1998 im Durchschnitt um 41 %. Anpassungsfähige Arbeitsmärkte schwächten die Auswirkung der Flaute auf die Beschäftigungslage in den Krisenländern ab, da die Arbeitskräfte vom formellen (städtischen) Sektor zum informellen Sektor und zur Landwirtschaft abwanderten.

Die Krise zwang zudem viele Menschen zu teuren Umzügen, um Arbeit und erschwingliche Unterkunft zu finden. Sie resultierte in einem steilen Abfall des Lebensstandards der Mittelschicht. Obwohl Bemühungen unternommen wurden, die Ausgaben für Sozialdienste aufrecht zu erhalten, sanken die Realausgaben für das Gesundheits- und das Bildungswesen in den ostasiatischen Krisenländern, wobei die Folgen in Indonesien besonders gravierend sind.

Zweitens bestehen trotz des zyklischen Aufschwungs in Ostasien weiterhin ernste strukturelle Probleme. Der Wert der nicht bedienten Kredite reicht von rund 30 % des BIP in Südkorea und Malaysia bis hin zu 60 % in Thailand und liegt damit weit über den Erfahrungswerten aus früheren Krisen. Hinzu kommt, dass mit der Aufdeckung weiterer Probleme die nicht bedienten Kredite weiterhin ansteigen und dass bereits geschwächte Unternehmen ihre Probleme dadurch vergrößern, dass sie noch mehr Geld aufnehmen, um die Zinsen für die bestehenden Schulden zu zahlen. Über ein Viertel aller an der Börse notierten Unternehmen in Südkorea, Malaysia und Thailand (und nahezu zwei Drittel in Indonesien) sind nicht mehr in der Lage, ihre Schulden zu bedienen. Diese Situation wird die Investitionen so lange bremsen, bis die finanziellen Probleme gelöst sind. Die Steuerkosten der Krise sind immens. So können sich etwa in Indonesien die geschätzten Kosten für die Rekapitalisierung des Bankensektors auf bis zu 50 % des BIP belaufen.

Dem Bericht zufolge wird ohne tief greifende Restrukturierung der Unternehmen und des Finanzwesens ein nachhaltiges Wachstum länger auf sich warten lassen, die Kosten der Krise würden wahrscheinlich steigen und die Volkswirtschaften werden weiterhin anfällig für externe und interne Krisen bleiben.

Die Unterstützung der Regierungen bei der Restrukturierung des Bankwesens sei unerlässlich, um das Zahlungssystem zu sichern, Kredite verfügbar zu machen und die Steuerkosten zu senken. Gesunde Banken seien auch besser dazu in der Lage, die Restrukturierung der Unternehmen zu erleichtern. In diesem Restrukturierungsprozess müssen zuerst die erlittenen Verluste bewertet und dann die Verantwortlichen bestimmt werden. Sobald diese Probleme gelöst sind, erfolge die Restrukturierung normal durch die Marktkräfte. Für die Restrukturierung der Unternehmen sollten in der Regel keine öffentlichen Mittel eingesetzt werden.

Drittens unterlagen die Rohstoffpreise seit der Mitte der 90er Jahre starken Schwankungen, die auf Änderungen der weltweiten Nachfrage, wetterbedingte Angebotsengpässe, die Reaktion der Nachfrage auf die hohen Preise der frühen 90er Jahre, technologische Innovationen, mit deren Hilfe die Produktionskosten gesenkt wurden, und auf mit der Asienkrise verbundene Abwertungen der Währungen der großen Rohstoff exportierenden Länder zurückzuführen sind.

Länder, die auf Rohstoffe angewiesen sind, wurden mit schwerwiegenden Problemen konfrontiert, als es galt, in den 90er Jahren den Verbrauch trotz der stark schwankenden Rohstoffpreise auszugleichen. In einigen Öl exportierenden Ländern führte die schwache Politik im Laufe des Ölpreiszyklus zu rückläufiger Spartätigkeit und niedrigeren Investitionen. Diesen Ländern gelang es im Allgemeinen nicht, ihre Abhängigkeit von Ölexporten zu verringern. Die rückläufigen Investitionen werden weiterhin den Fortschritt hemmen.

Im Gegensatz dazu scheint der Rohstoffpreiszyklus in den 90er Jahren die Wachstumsaussichten im nicht Öl exportierenden Subsahara-Afrika nicht ungünstig beeinflusst zu haben. Die realen Einkommen schwankten im Allgemeinen weniger als in den Öl exportierenden Ländern. Außerdem ermöglichte die Verbesserung der Politik einigen Ländern, Spartätigkeit und Investitionen trotz des Auf und Ab der Rohstoffpreise zu erhöhen.

Der Bericht im Volltext, ein illustriertes Gespräch, Fragen und Antworten und sonstiges Informationsmaterial wird der Öffentlichkeit sofort nach der Freigabe im Web zur Verfügung gestellt:
http://www.worldbank.org/prospects/
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