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Forum für Öffentliche Diskussion von James D. Wolfensohn Präsident der Weltbankgruppe Berlin, Bundesrepublik Deutschland, Montag, 2. April 2001 Auch vorhanden: Pressemitteilung Die Weltbank ruft zu einer Globalen Kampagne auf, um bis 2015 den Anteil der Menschheit, der in extremer Armut lebt, un die Hälfte zu reduzierien Es ist mir ein Vergnügen, mich in dieser schönen Stadt wieder an Sie wenden zu dürfen, und ich möchte die Gelegenheit ergreifen, um mich bei Frau Scheel, der Vorsitzenden des Finanzausschusses, bei Herrn Rudolf Kraus, dem Vorsitzenden des Entwicklungsausschusses sowie bei Herrn Hans-Ulrich Klose, dem Vorsitzenden des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten für Ihre liebenswürdige Einladung zu bedanken. Frau Bundesministerin Wieczorek-Zeul spielt eine sehr wichtige Rolle in der positiven Beziehung der Weltbank zu Deutschland, und ich freue mich ganz besonders, wieder mit ihr hier zusammentreffen zu dürfen. Schon seit langem haben wir eine tiefgehende und anhaltende Beziehung, innerhalb derer wir gemeinsame Perspektiven teilen. Die Ressortabteilung von Frau Wieczorek-Zeul und unsere Kollegen in der Weltbank arbeiten in effizienter Weise im gemeinsamen Kampf gegen die Armut zusammen. Weiters freue ich mich auch sehr darüber, heute Herrn Professor Ernst-Ulrich von Weizsäcker, den Vorsitzenden der Enquête Kommission, hier zu sehen. Soeben haben Sie die Ausführungen meines Freundes Horst Köhler über die Rolle des Internationalen Währungsfonds gehört. Wie von Horst erwähnt, kehrten wir kürzlich von einer gemeinsamen Mission nach Afrika zurück. Ich schließe mich seinen Bemerkungen an, dass wir nicht nur äußerst produktive Gespräche mit 22 afrikanischen Staatsoberhäuptern führten, sondern dass sowohl Horst als auch ich den starken Eindruck gewannen, dass afrikanische Führungspolitiker zu einem hohen Ausmaß die Verantwortung für ihren Kontinent und ihre Länder übernommen haben. Afrikanische Entwicklung kann nur aus einer Partnerschaft resultieren, in der die Führungsrolle und grundlegende Verantwortung von Afrikanern getragen werden. Die Rolle der internationalen Institutionen und der bilateralen Geber muss es hingegen sein, diese Bestrebungen voll und ganz durch Vermittlung von Wissen und Erfahrung sowie Großzügigkeit in bezug auf materielle Ressourcen und Marktzugang zu unterstützen. Die Tatsache, dass gerade zu einem Zeitpunkt, wenn Afrikas Führer die richtigen politischen Maßnahmen ergreifen und anfängliche Resultate aufweisen können, Auslandshilfe an Afrika von 32 US $ pro Kopf in 1990 auf US $ 18 pro Kopf in 1998 abgesunken ist, entbehrt nicht der Ironie. Wir müssen diesen Trend rückgängig machen. Ich schließe mich Horst darin an, dass die Zeit für einen gemeinschaftlichen Appell an Staatsoberhäupter und wichtige Geber reif ist, um ein für allemal klarzumachen, dass Entwicklungshilfe keine Angelegenheit von Wohltätigkeit ist, sondern eine Investition von lebensnotwendiger Bedeutung für Weltfrieden und Weltsicherheit darstellt. Das gegenwärtige Durchschnittsniveau der Auslandshilfe in Höhe von etwa 0,24 Prozent des jährlichen BIP reicht in keiner Weise an die von den Industrieländern versprochene Zielquote von 0,7 Prozent heran. Der Unterschied zwischen den beiden Zahlen beläuft sich jährlich auf Hunderte Milliarden Dollar. Für Millionen von Armen bedeutet dies jedoch den Unterschied zwischen Leben und Tod. Und ganz gewiss handelt es sich dabei um einen Betrag, der, falls korrekt eingesetzt, das Erreichen der globalen Zielsetzung ermöglichen würde. Noch nie war die Notwendigkeit größer. Die Herausforderung wird mit jedem Jahrzehnt stärker. Die Hälfte der Weltbevölkerung kommt heute mit weniger als 2 Dollar pro Tag aus; 80 Prozent der Weltbevölkerung verfügen über lediglich 20 Prozent des globalen BPI. Und sogar innerhalb eines jeden Landes gibt es wiederum eine massive Unausgeglichenheit zwischen Armen .und Reichen. Aber dem ist noch nicht genug. Im Laufe der nächsten 25 Jahre, werden 2 Milliarden Menschen mehr auf unserem Planeten leben, fast alle von ihnen in Entwicklungsländern. Von einer Welt mit 6 Milliarden Menschen werden wir auf eine Welt mit 8 Milliarden Menschen übergehen, von denen vielleicht über 6 ½ Milliarden in der Entwicklungswelt leben werden. Wie viele Menschen werden dann dazu verurteilt sein, mit unter 2 Dollar im Tag ihr Auskommen zu finden? Die Antwort der internationalen Gemeinschaft auf diese Frage wird von ausschlaggebender Bedeutung dafür sein, ob unsere Kinder in einer friedlichen Welt leben werden, oder in einer Welt, die von mehr und mehr Konflikten geprägt ist. Unser Weg bis heute... Gestatten Sie mir einige einleitende Bemerkungen über die Änderungen, die innerhalb der Weltbank stattgefunden haben, über die Art und Weise, in der wir uns in den Rahmen der internationalen Entwicklungsarchitektur einfügen und die Richtung, in die wir uns bewegen. Rückblickend auf die vergangenen sechs Jahre seit meinem Eintritt bei der Weltbank sehe ich eine Institution, die sich einem Prozess von dauernder Erneuerung, die wesentliche Resultate gezeitigt hat, unterzogen hat. So zum Beispiel gab es 1995 weder bei den multilateralen Institutionen noch bei anderen Kreditgebern einen umfassenden Mechanismus zur Schulderleichterung für die ärmsten Länder. Gegenwärtig gibt es 22 Länder, die bereits im Rahmen der sogenannten HIPC Initiative, der Initiative für Schwer Verschuldete Arme Länder, Schulderleichterung erhalten – 18 davon in Afrika – in einem Gesamtumfang von 34 Milliarden US $. Die gesamte Auslandsschuld dieser Länder wird sich um zwei Drittel verringern; dadurch wird sich ihr Schuldstand auf ein Niveau senken, das niedriger ist als der Durchschnitt für alle Entwicklungsländer. Nach Erhalt der Schulderleichterung im Rahmen der HIPC Initiative werden diese Länder ungefähr 2 Prozent ihres BIP auf Schuldendienst verwenden – wesentlich unter dem Niveau anderer Entwicklungsländer – verglichen mit 7 Prozent für Sozialausgaben. Bis Ende 2001 werden weitere Länder zu den 22 ersten Ländern hinzukommen. Es ist unsere Hoffnung, dass die verbleibenden Länder, welche für Hilfe im Rahmen der HIPC Initiative in Frage kommen, Kriege und Konflikte überwinden können, so dass auch sie sich dem Programm anschließen können. Bei dieser Gelegenheit möchte ich den von Deutschland gemachten weitsichtigen Vorschlägen, angefangen mit der Revision der HIPC Initiative in 1999 und weiteren Vorschlägen, kulminierend mit den Zusagen des Gipfeltreffens in Köln, meine Anerkennung zollen. In diesem Zusammenhang verdient die Führungsinitiative von Herrn Bundeskanzler Schröder im Zuge der Vorbereitungen auf Köln unsere tiefste Bewunderung. Ich bin des weiteren äußerst dankbar für die Zusage Deutschlands von 226 Millionen $ an den HIPC Treuhandfonds. Schuldverhandlungen allein reichen jedoch nicht aus, um die Armut zu reduzieren. Sie müssen mit ausdrücklich artikulierten Entwicklungsstrategien, die sich die Reduzierung der Armut zum Ziel machen, verbunden sein. In diesem Zusammenhang helfen wir den Ländern bei der Vorbereitung von Strategischen Dokumenten für die Reduzierung der Armut (PRSPS = Poverty Reduction Strategy Papers). Gegenwärtig haben wir sogenannte interim „PRSPs" mit 32 Ländern zusätzlich zu vollständigen PRSPs in vier Ländern. Entwicklung ist nicht eine Frage hastiger Lösungen oder der berühmten „Silberkugel". Sie kann nur dann einen dauerhaften Effekt haben, wenn sie auf breiter Unterstützung beruht. Der wichtigste Aspekt des neuen Ansatzes, der sich in den PRSPs zum Ausdruck kommt, ist sein umfassender und langfristiger Charakter, der die Teilnahme aller Mitspieler erfordert, inklusive des Privatsektors und der Zivilgesellschaft. Dadurch ist er in einer bedeutend besseren Lage, nicht nur durch politische Wechsel hervorgerufene Schwankungen zu überleben, sondern auch tiefgreifende Einwirkungen zu erzielen, die bis an die örtlichen Gemeinden und Gesellschaften heranreichen, wo echter Wandel stattfindet. Wir müssen diesen Ansatz nun noch weiter vertiefen, indem wir Maßstäbe für Resultate und Leistungsverantwortung seitens der Regierungen, der internationalen und bilateralen Institutionen, der Zivilgesellschaft und des Privatsektors einführen, so dass erzielte Fortschritte auch gemessen werden können. In den vergangenen sechs Jahren gab es jedoch noch andere wichtige Änderungen in der Arbeit und Zielsetzung der Bank. AIDS hat weltweit über 50 Millionen infiziert und fast 21,8 Millionen, über 17 Millionen davon Afrikaner, getötet.. Vor sechs Jahren widmete die Weltbank dem Kampf gegen AIDS 35 Millionen $. Heute ist es eine Milliarde Dollar, ein fast dreißigfacher Anstieg. Und wir werden weitere Geldmittel verfügbar machen im Zuge der Entwicklung von wirksamen Programmen. Wir arbeiten an Vorbeugung, durch öffentliche Informationsprogramme, örtlichen Kliniken und Dorfgruppen. Darüber hinaus sind wir auf dem Gebiet der Behandlung und der Kostenfrage für Retro-Virus Medikamente aktiv. Und es ist uns nur allzu bewusst, dass das Problem von AIDS und anderen tödlichen und ansteckenden Krankheiten letzten Endes nur über effizientere Systeme für Gesundheitsversorgung angepackt werden kann. Wir sind und bleiben nach wie vor stark an diesem Aspekt engagiert. Darüber hinaus verstärken wir auch unsere Anstrengungen hinsichtlich der Situation in Ländern, die sich von Konflikten erholen. Vor sechs Jahren gab es an der Weltbank 15 Projekte, die sich mit Wiederaufbauarbeiten nach Konflikten beschäftigten. Heute haben wir 35 derartige Projekte, und wir beschäftigen uns mit der Frage, wie sich die Bank in einem viel früheren Stadium in derartigen Ländern einschalten kann. Unser wichtigster Beitrag wird jedoch darin liegen, dass wir mit Ländern und Regionen zusammenarbeiten, um Wachstum und Sozialgleichheit zu schaffen, so dass künftige Konflikte vermieden werden können. Vor sechs Jahren sprachen wir nicht von Korruption, da das Thema als politisch zu brisant angesehen wurde. Heute arbeiten wir in 95 Ländern an Programmen, die sich mit Korruption und angemessenen Kontroll- und Führungsstrukturen beschäftigen, und spielen in vielen Aspekten diesbezüglich eine Führungsrolle. Vor sechs Jahren gab es noch kein bzw. geringes Augenmerk auf Entwicklung, die von örtlichen Gemeinden vorangetrieben wird. Heute haben wir Zusagen in Höhe von über 1,5 Milliarden $. Es handelt sich um Aktivitäten wie beispielsweise das Ernährungsprojekt in Mosambik, das Unterernährung drastisch reduziert hat oder die Sozialfonds in Malawi. Es ist unser Ziel, diese Art von Programmen in ganz Afrika und in der gesamten Entwicklungswelt nachzuvollziehen. Wir sind der Auffassung, dass Menschen, die in Armut leben nicht als eine Belastung angesehen werden sollen, sondern als eine Quelle der Kreativität und des Wissens. Sie können mehr als andere dazu beitragen, Armut zu beseitigen. Sie wollen keine milde Gaben, sie wollen eine Chance. Entwicklungsprogramme, die in Gemeinden verankert sind, bieten ihnen eine derartige Chance. Unsere Erfahrungen, Gemeinden in Indien und China sowie in den Schwellenländern zu erreichen, sind vielversprechend. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt involvieren über 70 Prozent unserer Projekte die Gesellschaft in irgendeiner Form. In 1995 waren es noch 50 Prozent. Bei allen diesen Bemühungen ist der Übergang von Projekten zu Programmen, die sich auf nationaler Ebene nachvollziehen und expandieren lassen, von wesentlicher Bedeutung. Dies sind nur einige wenige der Änderungen, die wir gemacht haben, um einen klareren Fokus auf das Problem der Armut zu erzielen. Die Resultate sind beeindruckend. Am wichtigsten ist jedoch die Tatsache, dass sich die Entwicklungsauswirkung – der entscheidendste Aspekt unseres Unternehmens schlechthin – dramatisch verbessert hat. Die Qualität unseres Portofolios hat heute ihren Höchststand seit zwanzig Jahren erreicht. Dies drückt sich in Milliarden von Dollars effizienterer Entwicklungsausgaben für diejenigen Menschen, den wir dienen, aus. Zwischen 1996 und 2000 hat sich die Erfolgsrate unserer Projekte von 66 auf 77 Prozent erhöht, laut Messungen, die von einer unabhängigen Einheit der Weltbank, dem sogenannten Operations Evaluation Department, vorgenommen wurden. Das ist ein beeindruckendes Resultat in einer Institution, deren Kerngeschäft – Entwicklung – immer mit bedeutenden Risiken behaftet ist. Wir erwarten, dass sich dieses Resultat noch weiter verbessern wird, wenn wir mit der Beurteilung von Projekten, die innerhalb der letzten fünf Jahre gestartet wurden, beginnen. Auch die Qualität unserer Projektentwürfe hat sich verbessert. Die Verbesserungen gelten ebenfalls für die Durchführung von Projekten. Keine andere internationale Entwicklungsorganisation hat einen derartig ambitionierten Reformplan innerhalb einer so kurzen Zeitspanne mit derartig dramatischen Ergebnissen durchgeführt. Haben wir Erfolge auf allen Gebieten erzielt? Die Antwort ist nein. Es gibt noch viel zu tun. Wir haben jedoch mit der Unterstützung unserer Mitarbeiter enormes erreicht und das Fundament für künftige Änderungen gelegt, und wir haben nunmehr eine phantastische Gelegenheit, weiter auf den erzielten Fortschritten aufzubauen. Die Einschränkungen in unserem Budget verursachen unseren Mitarbeitern jedoch enorm viel Stress und Ängste. Die neue Art der Auseinandersetzung mit Entwicklung – inklusive mehr Teilnahme und größerer Nachdruck auf die komplizierten Fragen, die sich mit menschlicher Entwicklung auseinandersetzen – erfordern mehr Zeit und mehr Ressourcen. Und doch sind wir unter den internationalen Finanzinstitutionen in der einmaligen Situation, dass unser heutiges Budget, gemessen in Realwert, das gleiche ist wie vor vier Jahren, trotz größeren Umfangs und besserer Qualität. Es gibt jedoch noch andere Anforderungen, die an uns gestellt werden. Nachhaltige Entwicklung erlangt immer größere Bedeutung als ein öffentliches Gut; ihre Einbeziehung in unsere Länderprogramme stellt jedoch immer höhere Anforderungen an unsere Mitarbeiter. Das gleicht gilt für den erhöhten Nachdruck, den die Bank auf Fragen der Gleichberechtigung der Geschlechter legt, der mehr von unseren Mitarbeitern fordert. Noch dazu steigen die Kosten ständig an. Die Weltbank hat von allen multilateralen Entwicklungsbanken die umfassendste Schutzpolitik betreffend Sozial- und Umweltaspekte. Wir haben auf diesem Gebiet eine Führungsrolle zu spielen, und wir beabsichtigen dies zu tun. Lassen Sie mich Ihnen versichern, dass wir keineswegs beabsichtigen, diese Schutzpolitik Maßnahmen zu verwässern, wie von einigen Seiten behauptet wird. Verstärkte Einhaltung von Schutz- und Treuhandstandards, die von essentieller Bedeutung für nachhaltige Entwicklung sind, hat jedoch unsere Kosten erhöht. Wir müssen uns jedoch nicht nur die bessere Qualität und die positiven Auswirkungen auf unsere Klienten, sondern auch die höheren Kosten im Auge behalten Die letzteren bedürfen der vollen Finanzierung, und auch unsere Klienten müssen beim Kapazitätsaufbau mithelfen, um diese politischen Grundsätze zu verankern. Die neue, erneuerte Weltbank Wie können wir unseren Fokus auf die Armut weiter verschärfen und unsere katalytische Rolle in der Entwicklungsgemeinschaft maximieren? Im vergangenen Januar diskutierten wir mit unseren Anteilseignern – zu denen Deutschland als prominentes und wichtiges Mitglied gehört – ein sogenanntes Strategisches Rahmenwerk für die Ausführung von Reformen innerhalb der kommenden fünf Jahre. Die folgenden fünf Kernideen, die sich in allen unseren Aktivitäten ausdrücken, bilden das Fundament des Plans: Erstens muss die Bank globale Kompetenz und globale diagnostische Fähigkeiten beibehalten. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir alles selbst machen müssen. Innerhalb des sogenannten Comprehensive Development Framework, des Umfassenden Entwicklungsrahmen, und der dazu gehörenden PTSPs, wäre für uns größere Selektivität und eine bedeutend bessere Arbeitsteilung zwischen allen Partnern – den internationalen Institutionen, der UNO, den bilateralen Gebern, den NGOs und dem Privatsektor, sehr wünschenswert. Selektivität ist ein unumgänglicher Aspekt unserer künftigen Arbeit. Sie sollte auf Vergleichsvorteilen und Verantwortlichkeit beruhen. In zweiter Linie müssen wir uns in unserer Arbeit darauf konzentrieren, wie wir gemeinschaftlich mit den anderen Mitgliedern der Entwicklungsgemeinschaft die internationalen Entwicklungsziele erreichen können. Gestatten Sie mir, dass ich Sie kurz an diese Ziele erinnere: eine Halbierung der Anzahl von Menschen, die in extremer Armut leben bis 2015; eine zwei Drittel Reduzierung der Sterblichkeitsrate von Säuglingen und Kindern unter fünf Jahren sowie eine Drei Viertel Reduzierung der Sterblichkeitsrate von Müttern; universale Grundschulung für alle bis 2015; Gleichberechtigung der Geschlechter im Hinblick auf Ausbildung bis 2005; nationale Strategien für nachhaltige Entwicklung bis 2005; sowie eine Wende der gegenwärtigen Verluste von Umweltressourcen auf sowohl globaler als auch nationaler Ebene bis 2015. Drittens, müssen wir uns innerhalb dieses generellen Rahmenwerks besonders auf zwei Gebiete konzentrieren – die Schaffung eines positiven Klimas für Investitionen, Arbeitsplatz-beschaffung und nachhaltiges Wachstum; sowie die Befähigung armer Menschen, an Entwicklung teilzunehmen, indem wir in sie und durch sie investieren. Diese sind die Hauptantreiber in unserem Streben nach größerer Selektivität. Viertens, müssen wir alle unsere Aktivitäten darauf ausrichten, dass Entwicklung den Ländern selbst gehört und von den Ländern vorangetrieben werden muss. Wir müssen auf die Stimmen der Armen horchen. Wie unsere Gespräche mit 60.000 armen Menschen in 60 Ländern bestätigten, wollen die Armen keine Wohltätigkeit, sie wollen Chancen. Entwicklung muss durch sie und mit ihnen erfolgen, und nicht für sie gemacht werden. Und fünftens müssen wir erkennen, dass es nicht länger ausreicht, nur mit Regierungen zu verhandeln. Wir müssen alle Spieler mit einbeziehen: die Zivilgesellschaft (inklusive von Nichtregierungsorganisationen – NGOs, Stiftungen, Universitäten, Forschungsinstituten und glaubensbezogenen Gemeindegruppen), den Privatsektor, bilaterale Institutionen, die anderen multilateralen Organisationen, die Regierungen selbst und ihre Parlamente. Die Herausforderung der Globalisierung Ich bin der Meinung, dass wir Globalisierung als eine Chance und Armut als eine Herausforderung betrachten sollen. Was aber ist mit „Globalisierung" gemeint? Globalisierung bedeutet, dass es auf der Welt immer mehr wechselseitige Abhängigkeit und Querverbindungen gibt. Sie bedeutet internationalen Handel, internationale Investitionen und Finanzen, die weitaus schneller als Nationaleinkommen wachsen. Ferner ist sie mit Technologien assoziiert, die bereits unsere Kommunikationsfähigkeit in einer bis vor wenigen Jahren unvorstellbaren Art beeinflußt haben. Globalisierung bedeutet aber auch Ansteckungskrankheiten, Kriminalität, Gewalttätigkeit und Terror. Sie bedeutet neue Chancen für Arbeiter in allen Ländern, ihr Potenzial zu entwickeln und ihre Familien durch Jobs, die auf Grund größerer wirtschaftlicher Integration geschaffen wurden, zu ernähren. Gleichzeitig bedeutet sie aber auch internationale Finanzkrisen und die Tatsache, dass Arbeiter in Industrieländern davor bangen, ihre Jobs an Länder mit niedrigeren Arbeitskosten und beschränkten Arbeiterrechten zu verlieren. Sie bedeutet, dass Arbeiter in Entwicklungsländern sich darüber Sorge machen, dass Entscheidungen, die ihr Leben betreffen, weit weg in den Hauptquartieren internationaler Korporationen getroffen werden. Globalisierung bedeutet sowohl Risiken als auch Chancen. Auf nationaler Ebene müssen wir diesen Risiken durch das Management von Anpassungsprozessen und die Stärkung sozialer, struktureller und finanzieller Systems begegnen. Auf globaler Ebene müssen wir eine stärkere internationale Finanzarchitektur errichten. Wir müssen tödliche Krankheiten bekämpfen, den Umweltabbau rückgängig machen und Kommunikation dazu einsetzen, den Menschen ohne Stimmrecht eine Stimme zu verleihen. Wir können Globalisierung nicht mehr rückgängig machen. Unsere Herausforderung besteht vielmehr darin, sie zu einem Instrument der Schaffung von Chancen und Einbeziehung von Menschen zu machen, - und nicht zu einem Instrument der Angst und Unsicherheit. Kurz gesagt, Globalisierung muss für alle wirksam sein. Die Rolle der Weltbank Länder mit niedrigem Einkommen Gestatten Sie, dass ich mich zunächst mit unserer Rolle hinsichtlich der Länder mit niedrigem Einkommen befasse. Ich habe bereits Schulderleichterung erwähnt. Wir müssen diesen Vorgang so energisch wie nur möglich vorantreiben, wobei wir aber auch einsehen müssen, dass Schulderleichterung allein kein Allheilmittel ist. Die Bank hat eine wesentliche Rolle zu spielen, indem sie mit Regierungen zusammenarbeitet, um gute, starke Führungs- und Kontrollstrukturen, effiziente Systeme für Rechtsprechung und Gerichtsbarkeit sowie robuste Finanzsysteme einzuführen und ihnen mit Kampf gegen Korruption beizustehen. Ohne derartige Initiativen ist es den Ländern nicht möglich, ausländische und private inländische Investitionen, die von eine ungemein wichtige Rolle als Motoren von Wachstum und Armutsreduzierung spielen, anzuziehen. Wir müssen unsere Arbeit im ländlichen Sektor, wo 70 Prozent der Armen beheimatet sind, fortsetzen, sowie unsere Zusammenarbeit mit der CGIAR, der Beratungsgruppe für Internationale Agrarforschung, vielleicht eines unserer wichtigsten und ältesten Programme, fortsetzen. Gleichzeitig müssen wir erkennen, dass Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern und Sicherheit das Fundament der Entwicklung bedeuten. Gleichberechtigung von Frauen und Ausbildung von Mädchen ist möglicherweise das wichtigste Einzelinstrument der Entwicklung. Darüber hinaus müssen wir mit der Bereitstellung von Sicherheitsnetzen für verwundbare Mitglieder der Gesellschaft helfen, was wir auch weltweit tun, und mit Regierungen auf dem Gebiet von Erziehungswesen, Gesundheitsvorsorge und Ernährungsfragen zusammenarbeiten. Wir müssen den Kampf gegen AIDS, Malaria und TB verstärken und mit Regierungen zusammenarbeiten, um ihre grundlegenden Bedürfnisse hinsichtlich Infrastruktur zu befriedigen – sauberes Trinkwasser, Abwasserversorgung, Elektrizität und Kommunikation, sowie Strassen und Telekommunikationssysteme. Unsere in jüngster Zeit durchgeführte Arbeit bestätigt ebenfalls die Wichtigkeit der Teilnahme an Entwicklung. CDF und PRSP haben die Themen von nationaler Anteilnahme und Konsultation auf nationaler Ebene zu einem Kernaspekt ihrer jeweiligen Ansätze gemacht. Wir müssen diese Konzepte weiter ausbauen Darüber hinaus müssen wir die Rationalisierung verschiedener Auflagen weiter verfolgen und uns mehr auf Resultate konzentrieren als auch die einzelnen Schritte, die eine Regierung unternehmen muss, um dieselben zu erzielen. Wir wissen, dass auch die größte Anzahl von Auflagen keinen Ersatz für ein eigenständiges Engagement an Reformen bietet. In diesem Zusammenhang wird unser neues Finanzierungsinstrument, der PRSC – Unterstützungskredit für Armutsreduzierung, durch seinen Schwerpunkt auf Programmausleihungen zur Reduzierung der Auflagen beitragen. In erster Linie m |