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Rede an den Verwaltungsrat von James D. Wolfensohn Präsident der Weltbankgruppe
Prag, Tschechische Republik, 26. September 2000 This speech is also available in PDF format, suitable for printing or reading offline: jdwsp-de.pdf (190K) Ich freue mich sehr, Sie zu den Jahrestagungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank begrüßen zu dürfen. Ich heiße insbesondere die Delegation aus San Marino, dem jüngsten Mitgliedsland der Bank, willkommen. Ich möchte dem Vorsitzenden, Trevor Manuel, für seine Unterstützung und für seine beeindruckende Rede danken. Er hat in seinem Wirken eine seltene Kombination von Führungsqualitäten sowohl im Kampf um die Freiheit selbst als auch durch wohl fundiertes Wirtschaftsmanagement nach dem Erreichen der Freiheit demonstriert. Ich möchte mich ebenfalls bei den Gouverneuren und bei dem Exekutivdirektorium für ihre Partnerschaft in der Arbeit der Bank bedanken. Zusätzlich darf ich meine Bewunderung für all das, was Michel Camdessus während seiner Jahre an der Spitze des IWF erreicht hat, ausdrücken und ihm für seine Freundschaft und enge Zusammenarbeit danken.Ich hoffe auf eine ähnlich enge Zusammenarbeit mit Horst Köhler und glaube, dass wir bereits einen ausgezeichneten Beginn gemacht haben. Auch freue ich mich auf die von Horst erwähnte gemeinsame Afrikareise. Auch möchte ich besonders unterstreichen, dass ich mich voll und ganz Horsts Bemerkungen betreffend unser gemeinschaftliches Verständnis der komplementären Rollen und Bank und Fonds anschließe. Bessere Lebensqualität und weniger Armut durch nachhaltiges und faires Wachstum ist unser gemeinsames Ziel. Im Rahmen dieses gemeinschaftlichen Vorhabens besteht das Kernmandat der Bank darin, die Armut zu mildern, indem sie den institutionellen, strukturellen und sozialen Dimensionen der Entwicklung besondere Beachtung schenkt. Dadurch ergänzt die Bank den makröokonomischen Schwerpunkt des Fonds, der die Förderung und Aufrechterhaltung der internationalen Finanzstabilität zum Ziel hat. Ich möchte betonen, wie sehr diese beiden Zielsetzungen miteinander verflochten sind. Falls es uns nicht gelingt, fehlerhafte Strukturen und soziale Spannungen, welche die makroökonomische Stabilität unterminieren, zu konfrontieren, werden die Armen die ersten Opfer sein. Gleichzeitig muss der Schutz der Armen unsere wichtigste Priorität sein, während wir fiskalisches Verantwortungsbewußtsein anstreben. Ich möchte hiermit auch der Tschechischen Republik sowie den Menschen und Behörden der Stadt Prag für ihre Gastgeberrolle bei den Jahrestagungen danken. Unter schwierigen Umständen haben sie Wunderbares geleistet. Ich danke Präsident Václav Havel, der in einmaliger Weise in seiner Person und seiner Stimme die Hoffnungen und Träume einer ganzen Generation symbolisiert .Die von ihm heute an uns gerichteten Worte stellen eine wahrhafte Inspiration dar, und wir werden lange seines Aufrufs zur Erneuerung unserer Werte gedenken. Die Tschechische Republik hat selbst die dem Übergangsprozess innewohnenden Schmerzen und Schwierigkeiten erlebt. Sie spielte jedoch eine Pionierrolle und bleibt konsequent bei ihrem Vorsatz, die für faires Wachstum notwendigen Institutionen, Markstrukturen und Verwaltungsführung zu schaffen. Die Tatsache, dass wir uns hier in Prag, im Herzen Europas, versammeln, symbolisiert ebenfalls die große Bedeutung der europäischen Integrationsbewegung. Ich habe nunmehr zum sechsten Mal die Ehre, als Präsident der Weltbank vor Ihnen zu stehen. Dies ist die erste Ansprache meiner zweiten Amtsperiode als Präsident. In den vergangenen fünf Jahren bereisten meine Frau Elaine und ich über 100 Länder, und ich habe dabei vieles gelernt. Von den Frauen in den Favelas Rio de Janeiros, die an einem sich selbst tragenden Gemeindeprogramm für Wasserzufuhr und Abwasserversorgung teilnahmen, habe ich gelernt, dass Entwicklung nicht mit Almosen, sondern vielmehr mit Einbeziehung und Bemächtigung zu tun hat. Von einem Shrimp Farmer im Delta des Mekongflusses, der seinen Lebensunterhalt durch den Umweltabbau der Mangroven verlor, lernte ich, dass schwere Arbeit vergeblich sein kann, wenn es uns nicht gelingt, die Probleme des Umweltschutzes zu bewältigen. Auf einer meiner allerersten Weltbankreisen lernte ich von einem mohammedanischen Religionsführer in Côte d‘Ivoire, dass wenig zur Armutslinderung beigetragen wird, wenn man den Armen mit einer Hand Geld gibt, und es ihnen mit der anderen wieder wegnimmt, indem man sie dazu zwingt, den gleichen Betrag für Schulden zurückzuzahlen. Diese einfache Lektion wurde zur Grundlage für die Schaffung der HIPC Initiative. Aber in allererster Linie habe ich unsere gemeinsame Menschlichkeit verstehen gelernt. Arme Menschen wollen für ihre Kinder genau das gleiche, was wir alle, die wir hier versammelt sind, für unsere Kinder wollen – Ausbildung, Gesundheit, Sicherheit und Chancen. Sie möchten Mitbestimmung, keine milden Gaben. Sie möchten die Möglichkeit, sich ein besseres Leben zu schaffen; und sie wollen, dass ihre Menschenrechte respektiert werden. Wir alle sind hier, um uns für diese gemeinsame Menschlichkeit einzusetzen und, in erster Linie, um den Kampf gegen die Armut mit leidenschaftlicher Überzeugung zu führen. Leidenschaft ist jedoch nicht genug, um Armut zu überwinden. Wir müssen handeln, und zwar tatkräftig. Und wir müssen eine langfristige Verpflichtung eingehen. Ich glaube, dass uns die fundamentalen Veränderungen der letzten zehn Jahre, trotz aller Herausforderungen und Schwierigkeiten, eine echte Möglichkeit für dramatische Fortschritte im Kampf gegen die Armut bieten. Diese Gelegenheit liegt jetzt vor uns, und wir müssen sie ergreifen. Es ist uns gelungen, nicht nur unser Verständnis der Natur der Armut, sondern auch der Art und Weise, wie faire Entwicklung geschaffen werden kann, zu vertiefen. Wir führen Änderungen in unserer Institution und Geschäftsführung ein, um unsere Arbeit mit größerer Effizienz und Transparenz sowie größerem Verantwortungsbe-wußtsein durchzuführen. Nur wenn wir alle – Entwicklungsländer und Industrieländer, internationale Institutionen, die Zivilgesellschaft in allen ihren Formen sowie der Privatsektor - gemeinsam vorgehen, werden uns Fortschritte im Kampf gegen die Armut gelingen. In dieser unserer Partnerschaft müssen wir alle unsere Kräfte gemeinschaftlich im Kampf gegen die Armut einsetzen. In dieser unserer Partnerschaft müssen wir einen neuen Internationalismus, der einer globalisierten Weltwirtschaft entspricht, schaffen. Draußen auf den Straßen, vor unserem Gebäude, demonstrieren junge Menschen gegen die Globalisierung. Ich bin fest davon überzeugt, dass viele von ihnen berechtigte Fragen stellen, und ich begrüße den Willen einer neuen Generation, die Armut zu bekämpfen. Ich teile ihre leidenschaftliche Überzeugung und ihre Fragen. Wir alle müssen eine Menge lernen, aber ich glaube auch, dass wir nur dann Fortschritte erzielen können, wenn wir in konstruktiver und respektvoller Weise miteinander verhandeln. In diesem Zusammenhang bin ich Präsident Havel sehr dankbar für die Organisation eines kürzlich hier in Prag abgehaltenen Kolloquiums für Dialog. Die Welt am Beginn eines neuen Jahrtausends Wir befinden uns am Beginn eines neuen Jahrtausends und am Ende eines Jahrzehnts, in dem die Globalisierung rapide Fortschritte machte. Dies ist der rechte Zeitpunkt, um uns darüber Rechenschaft abzulegen, wo wir einmal waren und an welchem Punkt wir heute angelangt sind, und um ein visionäres Konzept für die Zukunft zu bieten. Dies ist eine Zeit großer Chancen, aber auch ungeheurer Herausforderungen. Wir müssen Globalisierung als eine Chance betrachten, und Armutsbeseitigung als unsere Herausforderung. Was aber meinen wir mit „Globalisierung"? Globalisierung bedeutet, daß es auf der Welt immer mehr wechselseitige Abhängigkeit und Querverbindungen gibt. Sie bedeutet internationalen Handel, internationale Investitionen und Finanzen, die weitaus schneller als nationale Einkommen wachsen, so dass unsere Volkswirtschaften immer enger integriert werden. Gleichzeitig bedeutet Globalisierung aber auch internationale Finanzkrisen: Wie wir in der Krise Ostasiens gesehen haben, kann die Instabilität eines Landes Auswirkungen für uns alle haben. Ferner ist sie mit Technologien assoziiert, die bereits unsere Kommunikationsfähigkeit in einer bis vor wenigen Jahren unvorstellbaren Art beeinflußt haben. Sie bedeutet aber auch Krankheiten, und ich denke hier besonders an HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose, sowie Gewalt, Bedrohungen und Terrorismus, welche Nationalgrenzen nicht mehr respektieren. Globalisierung bedeutet neue Gelegenheiten für Arbeiter in allen Ländern, in Jobs, die durch größere wirtschaftliche Integration geschaffen werden, ihr Potenzial zu erhöhen und ihre Familien zu unterstützen Gleichzeitig bedeutet sie auch, dass Arbeiter in Industrieländern davor bangen, ihre Jobs an Länder mit niedrigeren Arbeitskosten und beschränkten Arbeiterrechten zu verlieren. Sie bedeutet, dass Arbeiter in Entwicklungsländern sich darüber Sorgen machen, dass Entscheidungen, die ihre Leben betreffen, weit weg in den Hauptquartieren internationaler Korporationen getroffen werden. Kurz gesagt, bedeutet Globalisierung sowohl Risiken als auch Chancen. Auf nationaler Ebene müssen wir diesen Risiken durch das Management von Anpassungsprozessen und die Stärkung sozialer, struktureller und finanzieller Systeme begegnen. Auf globaler Ebene müssen wir eine stärkere internationale Finanzarchitektur schaffen. Wir müssen Krankheiten bekämpfen, den Umweltabbau rückgängig machen und Kommunikation dafür einsetzen, den Stimmlosen eine Stimme zu verleihen. Wir können Globalisierung nicht mehr rückgängig machen. Unsere Herausforderung ist vielmehr, sie zu einem Instrument der Schaffung von Gelegenheiten und Einbeziehung von Menschen zu machen, - und nicht zu einem Instrument der Angst und Unsicherheit. Das vergangene Jahrzehnt bedeutete jedoch nicht nur eine Beschleunigung der Globalisierung, sondern auch echte Fortschritte in der Qualität der politischen Grundsätze in Entwicklungsländern. Weltweit besuchen mehr Kinder Grund- und Sekundärschulen. In vielen Ländern leben Menschen länger, weniger Säuglinge sterben vor Erreichung des Kindheitsalters, und mehr Mütter bleiben am Leben für ihre Kinder. Im Bereich der Wirtschaftspolitik erfolgte eine Senkung der Inflation, eine Liberalisierung der Märkte sowie einen starken Anstieg der Investitionen. Die Konjunkturaussichten für die nächsten Jahre sind vielversprechend; ein Anstieg der pro-Kopf-Einkommen in Entwicklungsländern von mehr als 3,5 Prozent ist erwartet. Dies würde die höchste nachhaltige Wachstumsrate seit Jahrzehnten sowie ein schnelleres Wachstum als in den entwickelten Ländern bedeuten.Eine Reihe von Menschen in den Entwicklungsländern profitieren in der Tat von einer Kombination von verbesserten politischen Grundsätzen und den positiven Auswirkungen der Globalisierung. Aber für allzuviele Menschen bleibt dieses optimistische Bild nach wie vor eine Fata Morgana. In allzuvielen Ländern hat der Bevölkerungsanstieg die erzielten pro- Kopf Gewinne im Einkommen wettgemacht. In allzuvielen Ländern hat HIV/AIDS die erhöhte Lebenserwartung zunichte gemacht und unermessliches Leid und Härten bewirkt. In allzuvielen Ländern haben Waffen, Kriege und Konflikte die Früchte der Entwicklungsarbeit vernichtet. Aber auch aus globaler Sicht können wir uns keineswegs Selbstzufriedenheit gestatten, besonders nicht angesichts der Unbeständigkeit von Erdöl- und anderen Rohstoffpreisen und der heftigen Wechselkursschwankungen. Wir leben in einer Welt, die von Ungerechtigkeiten entstellt ist. Es ist offenkundig, dass irgend etwas nicht stimmt, wenn die reichsten 20 Prozent der Weltbevölkerung über 80 Prozent des gesamten Welteinkommens erhalten. .Irgend etwas stimmt nicht, wenn 10 Prozent der Bevölkerung beinahe die Hälfte des Volkseinkommens erhält – wie dies in allzuvielen Ländern heute der Fall ist. Irgend etwas stimmt nicht, wenn das Durchschnittseinkommen der 20 reichsten Länder 37 Mal so groß ist wie das Durchschnittseinkommen der 20 ärmsten Länder – eine Kluft, die sich in den vergangenen 40 Jahren mehr als verdoppelt hat. Irgend etwas stimmt nicht, wenn 1,2 Milliarden Menschen nach wie vor mit weniger als einem Dollar, und 2,8 Millionen Menschen mit weniger als 2 Dollar pro Tag, auskommen müssen. Herr Vorsitzender, angesichts all der Kräfte, die am Werk sind, um die Welt kleiner zu machen, ist es an der Zeit, dass auch wir unsere Denkweise ändern. Es ist an der Zeit, dass wir uns klar machen, dass wir gemeinsam auf einer Welt und nicht in zwei Welten leben. Diese Armut herrscht in unserer Gemeinschaft, wo auch immer wir leben mögen. Sie ist unsere Verantwortung. Es ist an der Zeit, dass politische Entscheidungsträger diese Verpflichtung erkennen. Es steht ungemein viel auf dem Spiel. Die Konflikte, von denen die Entwicklung so lange negativ beeinflußt worden ist, sind nicht ganz einfach geschichtliche Zufälle. Die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Konflikten ist in Ländern, die von tiefer Armut und Abhängigkeit von Primärrohstoffen geprägt sind, bedeutend höher.Gewaltverbrechen treten mit höherer Wahrscheinlichkeit in Ländern mit großer Einkommensungleichheit auf. Die Faktoren, die heute für Einzelgesellschaften zutreffen, werden sich in der globalisierten Welt in immer höherem Ausmaß im Sinne von internationalen Konflikten und Terror bewahrheiten. Der Kampf gegen die Armut ist der Kampf für Weltfrieden und Sicherheit. Was haben wir darüber gelernt, die man die Armut bekämpfen kann? Angesichts der bestehenden Herausforderungen, müssen wir gemeinsam vorgehen und gleichzeitig von dem aus der Erfahrung Gelernten profitieren. Was haben wir gelernt? Wir haben gelernt, dass Armut über unzureichendes Einkommen oder sogar unzulängliche menschliche Entwicklung hinausgeht. Armut bedeutet auch, dass Menschen weder Stimmrecht noch Vertretung haben, dass sie Missbrauch und Korruption ausgesetzt sind. Sie bedeutet Gewalttätigkeit gegen Frauen und Angst vor Verbrechen, sowie mangelndes Selbstvertrauen.. Wie wir aus Gesprächen mit über 60.000 armen Menschen in 60 Ländern erfahren haben, ist Armut gleichbedeutend mit einem Mangel an fundamentaler Handlungsfreiheit, Wahlmöglichkeit und Chancengleichheit. Wir haben weiters gelernt, dass Markt orientierte Reformen Wirtschaftswachstum für die Armen bringen können, falls sie mit sozialer und institutioneller Entwicklung kombiniert werden. Wir haben gelernt, dass Wirtschaftswachstum der machtvollsten Faktor in einer nachhaltigen Reduzierung der Armut ist. Trotz seiner zentralen Bedeutung ist Wachstum allein jedoch nicht genug. Falls wir ernstlich darum bemüht sind, Ungerechtigkeit zu bekämpfen, so müssen wir den Armen auch beim Ausbau ihres Kapitals, einschließlich Ausbildung, Gesundheit und Landbesitz, helfen. Wir müssen Infrastruktur und Wissen an arme städtische und ländliche Gebiete herantragen. Wir müssen tief eingesessene Ungerechtigkeiten konfrontieren und die Kluft zwischen den Geschlechtern und zwischen Gruppen mit unterschiedlichem ethnischem, sozialem und rassischem Hintergrund überbrücken. Wir müssen die Armen vor den Auswirkungen verfehlter Ernten und Naturkatastrophen schützen, vor Verbrechen und Konflikten, vor Krankheit und Arbeitslosigkeit. Entwicklung muß umfassend sein. Sie muß Ausbildung und Gesundheit, aber auch gute Führungs- und Kontrollstrukturen, den Kampf gegen Korruption, Rechts- und Gerichtsreformen sowie Reformen des Finanzsektors einschließen. Zusätzlich muß Entwicklung Infrastruktur und Umweltschutz sowie eine gut fundierte Wirtschaftspolitik mit einbeziehen. Alle diese Aspekte hängen von einander ab und verstärken einander. Wir haben gelernt – und dies ist von grundlegender Bedeutung – dass Entwicklung nicht von oben herab diktiert werden kann. Es gibt keine allgemeingültige Planskizze für Entwicklung; - sie muß sozusagen „hausgemacht" sein. Ohne einen umfassenden Ansatz, der in jedem Land jeweils entwickelt und angenommen wird, ist es uns nicht möglich, diejenige Art von Entwicklung zu erreichen, die für eine friedliche und gerechte Welt von lebenswichtiger Bedeutung ist. Wir sind im Begriff, das Gelernte anzuwenden. In Anbetracht der Wichtigkeit eines umfassenden Ansatzes lancierten wir vor über einem Jahr das sogenannte „Comprehensive Development Framework" („Das umfassende Rahmenwerk für Entwicklung"). Das holistische, langfristige und von den Ländern selbst angenommene CDF Rahmenwerk wird in einem Dutzend verschiedener Ländern implementiert. Gemeinsam mit dem IWF begannen wir im vergangenen Jahr damit, unsere Partnerländer in ihrer Arbeit an Strategien der Armutsminderung zu unterstützen. Diese Strategien sind von den Ländern selbst bestimmt und konzentrieren sich auf die Armut. Unser umfassendes Rahmenwerk und die Strategien zur Reduzierung der Armut verkörpern einen Entwicklungsansatz, der zusehends starke Anerkennung in der Entwicklungsgemeinschaft findet. Wir müssen uns jedoch drüber im klaren sein, daß Partizipation ein Hauptaspekt ist, der den gesamten Ansatz beeinflußt. Partizipation liefert beeindruckende Resultate in sowohl Projekten als auch Programmen und kann den Sozialkonsens schaffen, der die Grundlage für soziale Änderungen und Reformen bildet. Sie ist ein Teil der Freiheit. Und wo könnte man besser die grundlegende Wichtigkeit der Partizipation betonen als in Prag, der Heimat der Samtrevolution? Wo könnte man besser die Bestätigung dessen liefern, was arme Menschen auf der ganzen Welt laut ihren eigenen Aussagen anstreben – Freiheit, Partizipation und Mitbestimmung in der Schaffung eines besseren Lebens? Partizipation nimmt viele Formen an und bringt Ergebnisse. So zum Beispiel in Bangladesch, wo wir Nicht-Regierungsorganisationen in einem Programm von Kleinkrediten, das über 5 Millionen von armen Menschen, 90 Prozent davon Frauen, zugute kommt, unterstützen. In Uganda, wo wir Darlehen mit Eigenbeteiligung an Gemeindegruppen vergaben, mit dem Resultat, dass sowohl Schulbesuch als auch die Benützung von Gesundheitseinrichtungen dramatisch anstiegen . In Indien, wo eine Vertiefung der Demokratie auch in den kleinsten Orten zu Fortschritten in der Partizipation führte. Reformbestreben haben die Vertretung von Frauen in örtlichen Beratungsgruppen wesentlich erhöht. Mit der Unterstützung und unter der Führung der Regierungen unserer Mitgliedsländer arbeiten wir mit Gemeinden, Lokalbehörden, dem Privatsektor und der Zivilgesellschaft an der Unterstützung der lokal bedingten Entwicklung.. In Indonesien entwickeln über 2000 Dörfer und Gemeindegruppen ihre eigenen Vorschläge für Ansuchen um lokale Finanzierung. In Benin arbeiten Frauen gemeinsam am Schutz der Wälder, indem sie in Quellen des Einkommens anstelle von Brennstoffquellen umgewandelt werden sollen. Auf nationaler Ebene helfen wir beim Aufbau starker Institutionen, um zu garantieren, dass auch die Armen an ihrer Volkswirtschaft und Gesellschaft teilnehmen und von ihr profitieren können. Wir müssen dafür sorgen, dass staatliche Institutionen größeres Interesse für die Armen bezeugen. Gleichzeitig müssen wir uns auch darüber im klaren sein, dass in allzu vielen Ländern der Kampf gegen die Armut gleichbedeutend ist mit dem Kampf gegen die persönlichen Interessen von Wirtschaftseliten, welche die Politik, Verordnungen und Gesetze des Staates in unangebrachter Weise beeinflussen. Falls wir diesen umfassenden Ansatz verwenden und in Gemeinschaftsarbeit mit Regierungen vorgehen, falls uns diese Partizipation, diese Gerechtigkeit und diese Einbeziehung gelingt, dann werden wir eine Demokratisierung der Entwicklung erreicht haben. Die Informations- und Kommunikationsrevolution Wir haben heute ein einzigartiges Mittel zur Verfügung, das die Miteinbeziehung aller Menschen in einem Maßstab, den wir uns vor noch einigen Jahren nicht hätten träumen lassen, ermöglicht. Die Informations- und Kommunikationsrevolution wird das Konzept der Entwicklung, wie wir es verstehen, transformieren. Diese Revolution verspricht eine historische Gelegenheit für die Umgestaltung der globalen Wirtschaft, und zwar durch breit gestreuten und fairen Zugang zu Wissen und Information; durch größere Ermächtigung von Menschen und den Einbezug lokaler Gemeinden; durch Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätze und besseren Zugang zu Grunddienstleistungen. Während der vergangenen fünf Jahre haben wir uns somit auf die Frage konzentriert, wie wir die Macht der Information, der Kommunikationstechnologie und des Wissens in den Dienst der Entwicklungsarbeit stellen können. Gemeinsam mit Regierungen fördern wir durch unsere analytische und Beratungsarbeit sowie durch unsere Zuschuß-Fazilität infoDev die Bereitschaft von sowohl politischen und Kontrollstrukturen als auch von Netzwerken. Via die Telekommunikationssysteme unseres sogenannten „Globalen Lernnetzes für Entwicklungsarbeit" („the Global Development Learning Network"), das nicht nur Training zur Verfügung stellt, sondern auch eine ausgedehnte Lerngemeinde schafft, führen wir weltweit führende Persönlichkeiten im Bereich der Entwicklungsarbeit zusammen. Durch unser Programm, das sich „Weltverbindungen im Dienst der Entwicklung" („World Links for Development") nennt, bringen wir Schüler und Lehrer in Sekundärschulen in Entwicklungsländern mit ihren Kollegen in Industrieländern in Verbindung. Wir verwenden Informations- und Kommunikationstechnologie, um eine „Universität ohne Wände" zu schaffen und den Ländern im Afrika südlich der Sahara direkten Zugang zur globalen akademischen Fakultät und Lernmitteln durch die sogenannte „Virtuelle Universität Afrikas" („the African Virtual University") zu ermöglichen. Mit Hilfe des sogenannten „Globalen Tors der Entwicklung" („the Global Development Gateway") und des „Globalen Lernnetzes für Entwicklungsarbeit", unterstützen wir die Schöpfung von und allgemeine Anteilnahme an Wissensgut. Weiters fördern wir Netzwerke von Wissen, globale Forschung sowie ausübende Gemeinden von Entwicklung, die von der Basis ausgehen. Schließlich entwickeln wir viele praktische Anwendungsmöglichkeiten, die weltweit dazu verwendet werden, armen Gemeinden Wissen in ihrer Lokalsprache zu vermitteln, um Gemeinden aufzubauen, Geschäftsgelegenheiten zu schaffen, um bei medizinischer Behandlung zu helfen und Menschen miteinander und mit der Welt in Verbindung zu bringen. Die Informations- und Kommunikationsrevolution bietet uns eine einmalige Gelegenheit, Ermächtigung und Partizipation von Menschen zur Wirklichkeit werden zu lassen. Die Armen der Welt verlangen nach Taten. Im Nachgang zu unserer Studie „Stimmen der Armen" („Voices of the Poor") traten mehrere Gruppen mit dem Ersuchen an uns heran, ihr Verlangen nach verbessertem Zugang zu Information und Kommunikationstechnologie als eine vorrangige Priorität zu behandeln. Wir müssen darauf hinarbeiten, dass eines Tages ein Dorfältester oder ein aspirierender Student durch das Internet, durch Distanzlernen, durch tragbare Telefone und durch aufziehbare Radios Zugang zur gleichen Information wie ein Finanzminister haben kann. Kommunikationstechnologie gibt uns die Mittel für echte Partizipation. Das bedeutet Chancengleichheit und echte Fairneß. Eine Bank mit Resultaten Während ihrer gesamten Geschichte hat sich die Bank immer wieder an die Veränderungen im externen Umfeld angepaßt – angefangen von der Rekonstruktion, die dem Ende des Zweiten Weltkriegs folgte, bis zu den Herausforderungen der globalen Entwicklung. Dieser |