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WASHINGTON, 4. April 2000 - Laut eines am heutigen Tag von der Weltbank veröffentlichten Berichts werden sich die Entwicklungsländer im Jahr 2000 langsam von den Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise der Jahre 1997 bis 1999 erholen und im Jahr 2000 durchschnittliche Wachstumsraten von 4,6 erreichen; diese werden in den Jahren 2001 und 2002 noch weiter leicht auf 4,8% ansteigen. Dennoch werden nicht alle Entwicklungsländer gleichermaßen von diesem Aufwärtstrend profitieren, der von unerwartet hohen Wachstumsraten in den Industriestaaten, einer außerordentlich starken Belebung des Welthandels und der Erhöhung der Rohstoffpreise unterstützt wird.
Global Development Finance 2000 - der jährliche Bericht der Bank zu den Außenfinanzierungsaussichten der Entwicklungs- und Schwellenländer besagt, dass die Zahl der Länder, die im Jahr 2000 ein positives Pro-Kopf-Wachstum verzeichnen werden, gegenüber 1998/99 ansteigen wird. Der Bericht weist jedoch gleichzeitig darauf hin, dass 41 einkommensschwache Länder mit einer Gesamtbevölkerung von über einer Milliarde Menschen, kaum die Grenze zum positiven Wachstum überschreiten werden. Dies macht deutlich, wie ungewiss die Zukunft dieser Länder in bezug auf Reformen und Aufschwung immer noch ist.
Als weiteres Ergebnis der jüngsten Finanzkrise zeigt der Bericht auf, dass sich die internationalen Kapitalmärkte zwar erholen, jedoch angesichts der hiermit verbundenen Risiken weiterhin nur widerwillig Kredite an Entwicklungs- und Schwellenländer vergeben. Im Gegensatz hierzu, und dies ist wohl eines der wichtigsten Ergebnisse des Berichts, sind die Direktinvestitionen aus dem Ausland, die auch während der Krise angehalten haben, mittlerweile zur bei weitem ergiebigsten und zugleich stabilsten Quelle der langfristigen Entwicklungsfinanzierung für die Entwicklungsländer geworden. Diese ausländischen Direktinvestitionen stiegen von 35 Milliarden US$ im Jahr 1991 sprunghaft auf 131 Milliarden im Jahr 1996 und erreichten 1999 ganze 192 Milliarden Dollar. "Die Entwicklungsländer beginnen, sich allmählich von den schlimmsten Auswirkungen der internationalen Finanzkrise zu erholen; dieser Aufwärtstrend findet jedoch nicht überall in gleichem Ausmaß statt," so Uri Dadush, Leiter der mit dem jährlich erscheinenden Bericht Global Development Finance beauftragten Arbeitsgruppe "Wirtschaftsaussichten" der Weltbank. "Jetzt ist es an der Zeit, aus der Krise zu lernen, damit wir die internationale Wirtschaft in Zukunft besser schützen können. Eine wichtige Schlussfolgerung in diesem Zusammenhang ist, dass wir Maßnahmen ergreifen müssen, um die Kapitalflussschwankungen nach unten zu verringern." Angesichts des sich unterschiedlich entwickelnden Aufschwungs werden laut Dadush die Wachstumsraten in den Ländern am höchsten sein, die handelsorientiert sind, über eine diversifizierte Wirtschaftsstruktur verfügen, eine hohe Anziehungskraft auf ausländische Direktinvesteure ausüben und Konkurrenzvorteile vorweisen können. Mehrere Wirtschaftssysteme in Ostasien, osteuropäische Anwärter für eine EU-Mitgliedschaft, sowie Brasilien und Mexiko erfüllen zwei oder mehr der oben genannten Bedingungen. Auch China und Indien, also Länder, in denen insgesamt 46% der Bevölkerung der Entwicklungsländer und 55% der Armen dieser Welt zu Hause sind, dürften trotz interner Reformprobleme ein ziemlich rasches Wachstum verzeichnen.
Geringere Wachstumsraten hingegen werden für die erdölexportierenden Länder (vor allem aufgrund ihres Schuldenüberhangs und des erwarteten Rückgangs der Ölpreise) sowie für Exporteure landwirtschaftlicher Rohstoffe (die mit schwierigeren Handelsbedingungen zu kämpfen haben) erwartet.
Auch die Anpassungsmaßnahmen an die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise sind noch lange nicht abgeschlossen. Die kurzfristigen Wachstumsraten (zwischen 2000 und 2002) werden außer in Ländern mit einer besonders raschen Anpassungs- und Erholungsfähigkeit höchstwahrscheinlich hinter den vor der Krise bestehenden Trends zurückbleiben. Länder und Regionen, die sich aufgrund krisenbedingter Reformen schneller auf die neuen wirtschaftlichen Gegebenheiten einstellen, werden langfristige Vorteile verzeichnen können. Den durch die Krise ans Tageslicht gebrachten wirtschaftlichen Schwächen wird jedoch so schnell nicht beizukommen sein. 
Allmähliche Belebung der privaten Kapitalflüsse zu den Emerging Markets erwartet
Die langfristigen Nettokapitalflüsse von den internationalen Kapitalmärkten - Bankdarlehen, Anleihen und Aktienbeteiligungen - zu den Entwicklungsländern in ihrer Gesamtheit fielen 1999 auf Tiefpunkte, wie man sie zuletzt in den frühen 90er Jahren erlebt hatte. Zehn der 27 Länder, die alleine mehr als 90% der privaten Kapitalflüsse zu den Entwicklungsländern bestreiten (und über 90% des Bruttoinlandsprodukts aber 65% der Gesamtbevölkerung der Entwicklungsländer) hatten zwischen 1997 und 1999 mit schweren Finanzkrisen zu kämpfen. Aber während 1998 das Sinken der Kapitalflüsse durch einen allgemeinen Rückzug aus den Emerging Markets erklärbar ist, hat der 1999 verzeichnete Investitionsschwund weitaus komplexere Hintergründe.
"Einige Kreditnehmerländer sowie ihre private Wirtschaft haben immer noch einen äußerst begrenzten Zugang zu den Kapitalmärkten, darunter einige Länder, die mit besonders heiklen makroökonomischen oder politischen Problemen zu kämpfen haben. Gleichzeitig scheint sich jedoch das Risikoerkennungspotential in mehreren Ländern zu verbessern; hier normalisiert sich der Zugang zu den Kapitalmärkten, was sich in einer deutlichen Verringerung der Zinssatzschwankungen widerspiegelt," so Dipak Dasgupta, führender Wirtschaftsspezialist der Arbeitsgruppe "Wirtschaftsaussichten" der Weltbank und wichtigster Autor des Berichts.
Dennoch mussten einige Länder (wie beispielsweise Korea und Thailand), die einen verbesserten Zugang zu den Finanzmärkten verzeichnen können, gleichzeitig einen rapiden Rückgang der privaten Inlandsinvestitionen und der Nachfrage nach Anleihen hinnehmen, was wiederum zum globalen Rückgang der Kapitalflüsse im Jahr 1999 beitrug.
Für die nächsten Jahre wird eine allmähliche Verbesserung dieser Kapitalmarktflüsse erwartet; diese sollen von den 1999 verzeichneten US$ 161 Milliarden brutto bis zum Jahr 2000 auf ca. US$ 185 Milliarden ansteigen und 2001 ein Volumen von zwischen US$ 220 und 230 Milliarden erreichen. Auf diese Weise würde erneut das Niveau von 1995 erreicht; das im Rausch der Spekulationen erreichte Rekordniveau der Jahre 1996 und 1997 kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise liegt freilich in weiter Ferne.
Neuer Trend zur Beurteilung nationaler Kreditwürdigkeit problematisch
Die abnehmende Bereitschaft, den Emerging Markets Geld zu borgen, ist von einer steigenden Tendenz, Auskunfteien mit der Beurteilung des Risikoprofils kreditnehmender Entwicklungsländer zu beauftragen, begleitet. So schlug beispielsweise vor kurzem die Baseler Bankenaufsichtsbehörde vor, unter anderem solche Beurteilungen zugrunde zu legen, wenn es darum geht, die Kapitalbedürfnisse internationaler Banken für die Vergabe an nationale und private Kreditnehmer zu bewerten.
Die Festlegung unterschiedlicher Risikoniveaus könnte tatsächlich zu einer angemesseneren Methode der Kreditvergabe führen. Andererseits ist ein zu großes Vertrauen in die Einschätzungen von Kreditstellen nicht unproblematisch. So schließt die Einschätzung der Kreditwürdigkeit eines Landes unweigerlich eine subjektive Bewertung der Rückzahlungsbereitschaft seiner Regierung mit ein. Beurteilungen der Kreditwürdigkeit tragen außerdem in der Regel den Frühindikatoren des Marktes zu wenig Rechnung und können durch das Verstärken eines gewissen Herdenverhaltens der Geldgeber zu vermehrten Schwankungen führen. Einschätzungen der Kreditwürdigkeit basieren zudem auf öffentlich zugänglichen Informationen, die sich wahrscheinlich bereits auf die Margen auf dem Sekundärmarkt niedergeschlagen haben.
Darüber hinaus befassen sich die Beurteilungen nur mit einem sehr geringen Teil der gegenwärtig auf dem Markt auftretenden Kreditnehmer. So existiert nicht einmal für alle staatlichen Kreditnehmer eine Einschätzung, und bei den privaten Kreditnehmern sind noch viel weniger erfasst.
Offizielle Hilfsmaßnahmen nehmen leicht zu, Herausforderungen jedoch bleiben
Das letzte Jahr war von einem geringen, aber dennoch willkommenen Anstieg der Hilfsströme für die Entwicklungsländer gekennzeichnet. Somit ist eine fünf Jahre andauernde Periode des Rückgangs staatlicher Entwicklungshilfemaßnahmen beendet. Eine weitere positive Entwicklung besteht in der vermehrten Vergabe von Geldern an Länder, die solche Hilfen besonders effizient einsetzen. Es bleibt abzuwarten, ob sich der diesjährige Anstieg in den Entwicklungshilfeanstrengungen fortsetzt, da einige Länder ihre Mittel nach wie vor einschränken.
"Trotz einiger positiver Tendenzen in der jüngsten Vergangenheit steht die Entwicklungshilfe auch in Zukunft bedeutenden Problemen verschiedener Herkunft gegenüber. In diesem Zusammenhang sind insbesondere die abnehmende Großzügigkeit der Geldgeber, die ständig steigende Zahl von Hilfsorganisationen, ein schlecht geplanter Einsatz der Hilfen durch die Geldgeber sowie eine schlechte Verwendung durch die Empfänger, eine zu große Abhängigkeit der ärmsten Länder von Hilfe von außen, sowie wachsende humanitäre und andere Bedürfnisse, wie beispielsweise die Eingrenzung der Verbreitung von Krankheiten über Landesgrenzen hinaus zu nennen," so Dasgupta. "Angesichts dieser Herausforderungen bedarf es im neuen Jahrtausend dringend einer neuen Art der Partnerschaft zwischen den reichen und den armen Ländern und den internationalen Hilfsorganisationen."
Eine positive Entwicklung stellt in diesem Zusammenhang die Ausweitung der Initiative des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank zugunsten hochverschuldeter armer Länder (Heavily Indebted Poor Countries, HIPC) dar, die einen Schuldenerlass für einige der ärmsten Länder der Welt vorsieht. Dennoch steht das HIPC-Programm in seiner neuen, erweiterten Form einer großen Zahl von Problemen gegenüber. So ist die Anzahl der zu prüfenden Länder enorm. Es muss sichergestellt werden, dass der Schuldenerlass mit neuen Hilfsströmen einhergeht und die Hilfsorganisationen die für den Schuldenerlass notwendige finanzielle Unterstützung erhalten. Und schließlich, und das ist wohl das wichtigste Anliegen, muss der Schuldenerlass mit deutlichen Fortschritten im Kampf gegen die Armut verbunden sein.
Vermeidung von Konjunkturschwankungen: einige Probleme und Schlussfolgerungen
Global Development Finance 2000 geht auch auf die drei zentralen Themen ein, die Finanzstrategen und -analytiker infolge der Ereignisse von 1997 bis 99 aufgeworfen haben, namentlich Vorteile und Risiken kurzfristiger Kapitalflüsse, Krisensicherungsmechanismen auf Länderebene und die aus den zurückliegenden hundert Jahren Kapitalflüsse zu den Emerging Markets zu ziehenden Schlussfolgerungen.
· Vorteile und Risiken kurzfristiger Kapitalflüsse Die Aufnahme kurzfristiger Darlehen bei internationalen Banken durch die Entwicklungsländer war in den 90er Jahren mit einigen wesentlichen Vorteilen, wie beispielsweise erhöhten Handelsgewinnen, verbunden. Die Begeisterung für diese Art von Darlehen lag jedoch auch in finanzpolitischen Verzerrungen und konjunkturzyklischen Einflüssen sowohl in den Entwicklungsländern als auch in den Industriestaaten begründet. Außerdem verhalten sich kurzfristige Kapitalflüsse im allgemeinen prozyklisch zu Störungen und verstärken somit Konjunkturschwankungen in kreditnehmenden Ländern, anstatt sie abzuschwächen. Tatsache ist, dass nahezu alle Krisen der jüngeren Vergangenheit von im Verhältnis zu den internationalen Reserven an flüssigen Mitteln überhöhten Niveaus kurzfristiger Verbindlichkeiten begleitet waren. Beispiele hierfür sind Mexiko bereits im Jahr 1994 und Thailand im Jahr 1997.
· Krisensicherungsmechanismen: ein kurzfristiger Aktionsplan Um das Krisenrisiko zu verringern, müssen die langfristigen Entwicklungsinitiativen der Entwicklungsländer von kurzfristig in Gang setzbaren finanziellen Krisensicherungsmechanismen begleitet sein. Der Bericht Global Development Finance 2000 bewertet verschiedene dieser Sicherungsmechanismen, die von einer stärkeren Kontrolle der Kapitalflüsse über größere Reserven bis hin zu Kontingenten für internationale Kredite reichen. Alle diese Maßnahmen, die entweder eine Verringerung des Volumens ausländischer Darlehen oder eine Erhöhung der Zinssätze nach sich ziehen, stellen für die nationalen Wirtschaftssysteme eine Kostenlast dar. Diese ist jedoch in jedem Fall geringer als die mit einer ausgewachsenen Finanzkrise verbundenen Kosten. Ein weiterer wertvoller Vorteil solcher Maßnahmen liegt in der Tatsache begründet, dass sie die Auswirkungen von Krisen auf die Armen verringern und die Last auf diejenigen verlagern, die aus ausländischen Krediten auf direktere Art und Weise Nutzen ziehen.
Dennoch müssen solche Sicherungsmechanismen mit großer Vorsicht eingesetzt und genau auf die örtlichen Bedingungen in den betroffenen Ländern abgestimmt sein, denn alle diese Maßnahmen sind mit einem gewissen Risiko verbunden. Der Bericht weist eigens darauf hin, dass keine dieser Maßnahmen vor grundlegenden Schwächen der makroökonomischen Struktur schützen kann.
· Aus der Vergangenheit zu ziehende Schlussfolgerungen In den letzten 130 Jahren (etwa zwischen 1870 und 1990) konnten mindestens vier bedeutende Kapitalflusswellen zugunsten der Emerging Markets beobachtet werden. Wenn sich auch die Bedingungen im Laufe dieses Zeitraums dramatisch verändert haben, können wir dennoch einige nützliche Lehren aus diesen Phänomenen ziehen. So gingen diese Kapitalflusswellen beispielsweise alle mit einem raschen globalen Wirtschaftsaufschwung einher und waren von technologischen Fortschritten im Transport- und Kommunikationswesen, einem blühenden Welthandel, hohen Wachstumsraten und schnellen Finanzinnovationen begleitet. Die jüngste derartige Phase, zwischen 1990 und 1997, glich in vielerlei Hinsicht vorausgegangenen Phasen, wies jedoch in einigen Punkten erhebliche Unterschiede auf. Sie unterschied sich beispielsweise in der Palette der zur Verfügung stehenden Finanzinstrumente, in der Zahl der Empfängerländer, sowie durch den erheblich größeren Stellenwert von ausländischen Direktinvestitionen und durch die bedeutenderen wirtschaftlichen, institutionellen und sozialen Unterschiede zwischen Kreditgeber- und Kreditnehmerländern. Alle Kapitalflusswellen der Vergangenheit endeten in einer internationalen finanziellen oder politischen Krise, bei denen ein böses Erwachen die Regel war.
"Auch für das nächste Jahrzehnt rechnen wir mit erheblichen Kapitalflüssen zu den Emerging Markets, begleitet von großen Schwankungen und einem bedeutenden Krisenpotential," so Dadush. "Dennoch ist zu erwarten, dass die verschiedenen Länder aus der Vergangenheit gelernt habenso wie dies die heutigen Industrieländer zu ihrer Zeit getan haben. Letztlich dürften sie deshalb mehr von den Vorteilen der Weltwirtschaft profitieren und weniger unter ihren Risiken leiden."
Diese Vorteile könnten von einer vorsichtigeren Strategie bei der Festlegung des Tempos und der Reihenfolge von Kapitalkonteneröffnungen über eine verbesserte Sicherheit und Stabilität der nationalen Finanzsysteme bis zu mehr Aufmerksamkeit für den Aufbau eines Netzes der sozialen Sicherheit für die Armen reichen. Es besteht demnach aller Grund zu hoffen, dass die betroffenen Länder dieses Mal mehr von den Vorteilen der Kapitalflüsse profitieren können und dabei geringere Risiken eingehen.
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