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Gerechtigkeit stärkt die Wachtumskraft um die Armut zu mindern: Weltentwicklungsbericht 2006

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Press Release No:2006/054/S

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WASHINGTON, 20. September 2005   Gerechtigkeit, primär definiert als Chancengleichheit unter den Menschen, sollte überall in der Entwicklungswelt integraler Bestandteil einer erfolgreichen Strategie zum Abbau der Armut sein, heißt es in dem alljährlich veröffentlichten Weltentwicklungsbericht 2006 der Weltbank.

Gerechtigkeit ist komplementär zum Streben nach langfristigem Wohlstand“, sagte
François Bourguignon, Chefökonom und Senior Vice President für Entwicklungsökonomie der Weltbank, der das Team leitete, welches den Bericht erstellte. „Mehr Gerechtigkeit ist doppelt gut für den Abbau von Armut. Sie tendiert dazu, eine nachhaltige Allgemeinentwicklung zu begünstigen und bringt den ärmsten Gruppen einer Gesellschaft bessere Chancen“.

Der unter dem Titel „Equity and Development“ von einem achtköpfigen Autorenteam unter Leitung der Wirtschaftswissenschaftler Francisco Ferreira und Michael Walton erstellte Bericht argumentiert für Gerechtigkeit nicht nur als Selbstzweck, sondern weil sie oft zu größeren und produktiveren Investitionen anregt, was zu schnellerem Wachstum führt. Der Bericht zeigt, wie breite Kluften der Ungleichheit bei Wohlstand und bei vorhandenen Möglichkeiten, sowohl innerhalb von, als auch zwischen Nationen zum Andauern extremer Entbehrung, oft für einen großen Prozentsatz der Bevölkerung beitragen. Das vergeudet menschliches Potential und es kann, in vielen Fällen, das Tempo eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums verlangsamen. 
  

Eine Politik, die die Gerechtigkeit unterstützt, kann diese Kluften überbrücken, folgern die Autoren. Das Ziel ist nicht Einkommensgleichheit, sondern vielmehr, den Zugang der Armen zu medizinischer Versorgung, Bildung, Arbeitsplätzen, Kapital und gesicherten Landrechten zu erweitern. Äußerst wichtig ist, dass Gerechtigkeit größere Gleichberechtigung beim Zugang zu politischen Freiheiten und politischer Macht erfordert. Sie bedeutet auch, Stereotypierung und Diskriminierung zu durchbrechen und den Zugang zu Justizsystemen und zur Infrastruktur zu verbessern.           

Öffentliche Handlungen sollten sich darauf ausrichten, die Chancen derjenigen zu erweitern, die die geringste Stimme und die geringsten Ressourcen und Fähigkeiten haben“, sagt Weltbankpräsident Paul Wolfowitz in seinem Vorwort zu dem Bericht. „Sie sollten dies auf eine Art und Weise tun, die bei der Zuteilung von Ressourcen sowohl individuelle Freiheiten, als auch die Rolle der Märkte respektiert und verbessert.“
        

Für die Stärkung der Gerechtigkeit in Entwicklungsländern fordert der Bericht insbesondere eine Politik, mit der anhaltende Chancenungleichheiten durch ein Ebnen der wirtschaftlichen und politischen Spielfelder korrigiert werden. Viele Vorgehensweisen einer solchen Politik werden auch die wirtschaftliche Effizienz verbessern und Marktversagen beheben. Zu einer solchen Politik gehören:

·         Die Investition in Menschen, indem der Zugang zu qualitativ hochwertigen Leistungen in medizinischer Versorgung und Bildung erweitert wird, und gefährdeten Gruppen Sicherheitsnetze geboten werden;

·         Die Erweiterung des Zugangs zu Justiz, Land und wirtschaftlicher Infrastruktur, wie Straßen, Strom, Wasser, Kanalisation, Abfallbeseitigung und Telekommunikation;

·         Die Förderung von Fairness auf den Finanz-, Arbeits- und Produktmärkten, damit arme Menschen leichteren Zugang zu Krediten und Arbeitsplätzen haben und auf keinem Markt gegen sie diskriminiert wird.

Zu Beispielen für Veränderungen im Sinne einer Pro-Gerechtigkeits-Politik gehört die Landreform. Im indischen Bundesstaat West Bengal wurde zum Beispiel durch eine Landpachtreform die Sicherheit der Teilpächter erhöht, ihre Pacht zu behalten und gleichzeitig wurde ihnen auch mindestens 75 Prozent der erzielten Produktion garantiert. Die Produktivität bei der Landbearbeitung stieg als Resultat um 62 Prozent. Den Armen erweiterten Zugang zu Krediten und Versicherungen zu bieten hat sich als weiterer wirksamer Weg erwiesen, die Chancen zu ebnen und den Wohlstand zu erhöhen. Studien in Indien, Kenia und Simbabwe, unter anderen Entwicklungsländern, zeigen, dass die Armen wesentlich höhere Zinssätze zahlen müssen als die Reichen. „Wir würden daher davon ausgehen, dass die Armen unter-investieren, auf jeden Fall auf die Reichen bezogen, aber auch darauf bezogen, was passieren würde, wenn Märkte richtig funktionierten“, folgert der Bericht.
       

Neben der Forderung nach inländischen Reformen fordert der Bericht auch die Nationen auf, in der globalen Arena eine größere Gerechtigkeit zu fördern, vor allem auf den internationalen Arbeits-, Güter-, Ideen- und Kapitalmärkten. Um dies zu erreichen drängt er reiche Länder dazu, eine größere Zuwanderung von ungelernten Arbeitern aus Entwicklungsländern zuzulassen, die Liberalisierung des Handels unter der Doha-Runde der WHO voranzutreiben, es armen Ländern zu erlauben, Generika zu verwenden, und angemessene Finanzstandards für Entwicklungsländer zu entwickeln. Er wiederholt auch die Wichtigkeit von vermehrter und wirksamerer Entwicklungshilfe.
         

Eine Mischung dieser Vorgehensweisen unter Anwendung großer Aufmerksamkeit auf spezifische Umstände in den verschiedenen Ländern, kann dazu beitragen, den Armen zu mehr Chancengleichheit zu verhelfen und ihren wirtschaftlichen Beitrag zu ihrer Gesellschaft zu erhöhen und dabei gleichzeitig ihre eigene Armut zu mindern.

Der Weltentwicklungsbericht zeigt zwar die negativen Konsequenzen extremer Ungleichheit auf, er unterscheidet dabei aber deutlich zwischen Gleichheit und Gerechtigkeit. Gerechtigkeit, sagen die Autoren, ist nicht dasselbe wie Gleichheit von Einkommen oder Gesundheitsstatus oder sonst irgendeinem bestimmten Ergebnis. Sie ist vielmehr das Streben nach einer Situation in welcher die Chancen gleich sind, d.h. eine Situation in der persönliche Anstrengungen, Vorlieben und Initiative  – und nicht familiäre Abstammung, Kaste, Rasse oder Geschlecht  – die Unterschiede zwischen den wirtschaftlichen Erfolgen der Menschen ausmachen.

Vereinnahmung von Einrichtungen durch die Elite unterminiert die Gerechtigkeit

Der Bericht argumentiert, dass sich Gerechtigkeit und Wohlstand ergänzen und führt Beispiele an, in denen hochgradige wirtschaftliche und politische Ungleichheit zu wirtschaftlichen Einrichtungen und gesellschaftlichen Arrangements geführt hat, die systematisch die Interessen der Einflussreicheren begünstigen. Derartige Einrichtungen, so argumentiert er, unterminieren das Potential eines Landes für Wachstum und Minderung der Armut.

Ungerechte Einrichtungen erlegen wirtschaftliche Kosten auf“, sagte
Francisco Ferreira, einer der Leitautoren des Berichtes. „Sie schützen meist die Interessen politisch einflussreicher und wohlhabender Leute, oft zum Schaden der Mehrheit. Dadurch wird die Gesellschaft als Ganzes ineffizienter. Wenn die mittleren und ärmeren Gruppen nicht in der Lage sind, ihre Talente auszunutzen, dann entgehen der Gesellschaft Chancen für Innovation und Investition.“

Ein Beispiel für ungerechte Einrichtungen wird aus einer Studie über Farmerinnen in Ghana ersichtlich, die kein gesichertes Recht auf ihr Land haben. Da ihr Zugang zu diesem Land unsicher ist, bebauen die Frauen ihr Land in jeder Anbausaison und lassen es nicht während mancher Anbauzeiten brach liegen, wie sie es müssten, um dessen Fruchtbarkeit zu bewahren. Sie tun dies aus Angst, dass ihnen das Land von jemandem mit höherem Status, im allgemeinen Männern, unter dem Vorwand weggenommen wird, dass die Frauen das Land nicht nutzen. Die Folge davon ist, dass die Ergiebigkeit ihres Landes nachlässt, was zu einem Teufelskreis von niedrigerer Produktivität und zunehmend größerer Ungleichheit führt. 

Ausbruch aus den Ungleichheitsfallen

Ungleichheitsfallen ergeben sich wenn Ungleichheiten zwischen Individuen und Gruppen innerhalb von und über Generationen hinweg aufrecht erhalten werden. Diese Fallen zeichnen sich durch hohe Kindersterblichkeit und niedrige Schulabschlussraten, Arbeitslosigkeit und niedrige Einkommen aus, die sich über Generationen hinweg wiederholen. Chancen, ob groß oder klein, werden vom Vater an den Sohn, von der Mutter an die Tochter weitergereicht. Diese Beharrlichkeit reduziert den Anreiz zu individuellen Investitionen und Innovationen und schwächt den Entwicklungsprozess. Sie werden aufrecht erhalten, heißt es in dem Bericht, durch ineinandergreifende wirtschaftliche, politische und sozialkulturelle Mechanismen, wie diskriminierende Haltungen und Praktiken in Bezug auf Rasse, Ethnizität, Geschlecht und Gesellschaftsklasse.

Um Gesellschaften dabei zu helfen, diesen Ungleichheits-Fallen zu entfliehen, so betont der Bericht der Weltbank, ist es wichtig die „Vertretung“ von armen und ausgeschlossenen Gruppen zu stärken, d.h. ihre Fähigkeit auf stärkere Mechanismen einer Stimme und politischer Rechenschaft zu drängen. Durch ein Bestehen auf mehr Sicherungssystemen gegen den Missbrauch von wirtschaftlicher und politischer Macht durch die Eliten können die Armen und Ausgeschlossenen  – zu denen of Frauen als Gruppe gehören   zur Unterstützung von Strategien für eine gerechte Veränderung Allianzen mit den Mittelklassen schaffen. Derartige Strategien würden dazu dienen, oligarchische Dominanz zu unterminieren und das Spielfeld in der politischen Arena zu ebnen, ohne Zuflucht zu der Art von nicht aufrecht zu erhaltenden populistischen Vorgehensweisen zu suchen, die in der Vergangenheit gescheitert sind.


Die Empfehlungen in Equity and Development ergänzen die Schlussfolgerungen der Weltentwicklungsberichte der Bank von 2004 und 2005, deren Konzentration auf einem verbesserten Zugang der Armen zu Dienstleistungen und der Verbesserung des Investitionsklimas lag.


„Unsere Argumentation ist, dass ein Lösungsansatz für die Entwicklung, der tief von Gerechtigkeit durchdrungen ist, mit dem Rahmen der beiden letzten Weltentwicklungsberichte konsistent ist“,
sagte Michael Walton, ein weiterer Leitautor des Berichtes. „Gerechtigkeit ist wirklich ein fundamentaler Bestandteil des Gesamtpaketes das nötig ist, um eine Stärkung und ein besseres Investitionsklima zu erzielen. Sie ist auch unentbehrlich für die Erreichung der Millenium-Entwicklungsziele.“

 

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