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WELTBANK MAHNT ZU ERNEUTEM FOKUS AUF DIE LANDWIRTSCHAFT IM ENTWICKLUNGSKONTEXT

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Press Release No:2008/080/DEC

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mtuckprimdahl@worldbank.org

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Natabaki@worldbank.org

 

WASHINGTON, D.C., 19. Oktober 2007 – Der neueste Weltentwicklungsbericht mahnt höhere Investitionen in die Landwirtschaft in Entwicklungsländern an und betont nachdrücklich, der Sektor müsse in den Mittelpunkt der Entwicklungsagenda gerückt werden, wenn das Ziel, die extreme Armut und den Hunger bis 2015 zu halbieren, erreicht werden soll. 

 

Nach Angaben des Berichts mit dem Titel Agriculture for Development (Landwirtschaft und Entwicklung) litten die Landwirtschaft und ländliche Sektoren in den vergangenen 20 Jahren unter Vernachlässigung und zu geringen Investitionen. Während 75 Prozent der Armen der Welt in ländlichen Gegenden leben, fließen gerade einmal 4 Prozent der öffentlichen Entwicklungshilfe in die Landwirtschaft von Entwicklungsländern. In Subsahara-Afrika – einer Region, deren Gesamtwachstum in hohem Maße von der Landwirtschaft abhängig ist – haben die öffentlichen Ausgaben für die Landwirtschaft ebenfalls nur einen Anteil von 4 Prozent an den gesamten Staatsausgaben. Außerdem ist der Sektor nach wie vor mit relativ hohen Steuern belastet.

 

Die Weltbankgruppe setzt sich für eine neue Agenda für „Landwirtschaft und Entwicklung“ ein. Laut dem Weltentwicklungsbericht ist für die Ärmsten der Armen ein Wachstum, das seinen Ursprung in der Landwirtschaft hat, rund vier Mal wirksamer beim Armutsabbau, als wenn es sich außerhalb des Sektors ergibt. 

 

 „Eine dynamische Agenda für ‚Landwirtschaft und Entwicklung’ kann den geschätzten 900 Millionen Menschen zugute kommen, die in Entwicklungsländern in ländlichen Gegenden von weniger als 1 US-$ pro Tag leben und in der Mehrzahl in der Landwirtschaft tätig sind“, erklärte Robert B. Zoellick, Präsident der Weltbankgruppe. „Wir müssen der Landwirtschaft durchweg mehr Vorrang einräumen. Auf globaler Ebene müssen die Länder überaus wichtige Reformen umsetzen, etwa marktverzerrende Subventionen abbauen und die Märkte öffnen, während Gruppierungen der Zivilgesellschaft, insbesondere Bauernverbände, ein größeres Mitspracherecht bei der Festlegung und Ausgestaltung der Agenda für die Landwirtschaft erhalten müssen.“

 

Wie der Bericht darlegt, kann die Landwirtschaft Wege aus der Armut aufzeigen, wenn Anstrengungen unternommen werden, um die Produktivität bei der Herstellung von Grundnahrungsmitteln zu erhöhen, Kleinbauern Zugang zu den wachstums- und umsatzstarken Märkten für Gartenbau-, Geflügelzucht-, Aquakultur- und Molkereierzeugnisse zu bieten und auf dem Land Arbeitsplätze in Wirtschaftszweigen abseits der Landwirtschaft zu schaffen.

 

„Durch Wachstum in der Landwirtschaft konnte in den vergangenen 15 Jahren die Armut in ländlichen Gegenden Ostasiens mit überaus großem Erfolg reduziert werden“, erklärt François Bourguignon, Chefökonom und Senior Vice President der Weltbank, Development Economics. „Die Herausforderung besteht darin, das außerordentliche Leistungspotenzial der Landwirtschaft beim Armutsabbau zu bewahren und zu steigern, vor allem in Subsahara-Afrika und Südasien, wo die Zahl der Armen in ländlichen Gegenden weiter steigt und auch noch auf Sicht von wenigstens 30 Jahren die Zahl der Armen in den Städten übersteigen wird.“

 

Die Weltbank selbst beabsichtigt, die Unterstützung für die Landwirtschaft und die ländliche Entwicklung weiter zu erhöhen, nachdem die Kreditvergabe in den 1980er und 1990er Jahren gesunken war.  Die Zusagen im Geschäftsjahr 2007 beliefen sich auf 3,1 Mrd. US-$ und erhöhten sich damit im nunmehr vierten Jahr in Folge.

 

ERGEBNISSE IM EINZELNEN

 

Der Bericht warnt zudem, dass die weltweite Nahrungsmittelversorgung durch den Anstieg der Nachfrage nach Lebensmitteln, Futtermitteln und Biokraftstoffen, die steigenden Energiepreise, die zunehmende Verknappung von Anbauflächen und Wasser sowie die Auswirkungen des Klimawandels unter Druck gerät. Das trägt wiederum zur Unsicherheit in Bezug auf die zukünftigen Nahrungsmittelpreise bei. 

 

In der Landwirtschaft werden 85 Prozent des weltweiten Nutzwassers verbraucht. Außerdem trägt der Sektor zur Entwaldung, Bodendegradation und Umweltverschmutzung bei. Der Bericht rät zu Maßnahmen, mit denen nachhaltigere Produktionssysteme erreicht werden können, und legt Anreize zum Schutz der Umwelt dar.

 

Nach Angaben des Berichts ist der Agrarsektor in landwirtschaftsbasierten Ländern—in denen 417 Millionen Menschen in ländlichen Gegenden, davon 170 Millionen von weniger als 1 US-$ pro Tag leben—für das Wachstum insgesamt, den Armutsabbau und die Nahrungsmittelsicherheit entscheidend. Diese Länder liegen zum Großteil in Subsahara-Afrika, wo der Sektor 65 Prozent der Arbeitskräfte beschäftigt und 32 Prozent des BIP-Wachstums erwirtschaftet.

 

Hinsichtlich der Entwicklung Subsahara-Afrikas macht der Bericht auf einige Probleme aufmerksam, die dringend angegangen werden müssen: Zu geringe öffentliche Ausgaben für die Landwirtschaft, Unterstützung der Geber für Lebensmittelhilfen in Notlagen bei unzureichender Aufmerksamkeit für einkommenssteigernde Investitionen, Handelsbarrieren in reichen Ländern und Subventionen für wichtige Waren wie Baumwolle und Ölsaaten sowie das nicht hinreichend gewürdigte Potenzial von Millionen Frauen, die in der Landwirtschaft eine überaus bedeutende Rolle spielen.

 

In Transformationsländern wie China, Indien und Marokko trägt die Landwirtschaft durchschnittlich nur 7 Prozent zum BIP-Wachstum bei, jedoch sind zu niedrige Einkommen auf dem Land eine der wichtigsten Ursachen für politische Spannungen.  Es bedarf einer Dynamik in den ländlichen und landwirtschaftlichen Sektoren, um das Einkommensgefälle zwischen den ländlichen Gegenden und den Städten zu verringern und die ländliche Armut für 600 Millionen Arme abzubauen. Zugleich müssen die Abhängigkeit von Subventionen und protektionistische Fallstricke umgangen werden, die das Wachstum behindern und arme Verbraucher mit Abgaben belasten. 

 

In verstädterten Volkswirtschaften, vor allem in Lateinamerika, der Karibik, Osteuropa und Zentralasien, leistet die Landwirtschaft nur einen Beitrag von durchschnittlich 5 Prozent zum BIP-Wachstum. Allerdings leben in den ländlichen Gegenden noch immer 45 Prozent der Armen, und das Agrargeschäft sowie Nahrungsmitteldienstleistungen steuern ein Drittel zum BIP bei. Das Ziel besteht allgemein darin, Kleinbauern Zugang zu modernen Nahrungsmittelmärkten zu bieten und in ländlichen Gegenden einträgliche Arbeitsplätze zu schaffen.

 

Wie der Bericht erläutert, müssen die reichen Länder Politiken reformieren, die den Armen schaden. So müssten beispielsweise die Vereinigten Staaten unbedingt die Baumwollsubventionen abbauen, durch die die Preise für afrikanische Kleinbauern gedrückt werden. Im aufstrebenden Bereich Biokraftstoffe stellen neben restriktiven Zöllen auch hohe Subventionen in reichen Ländern ein Problem dar. Denn sie treiben die Nahrungsmittelpreise in die Höhe und begrenzen die Exportmöglichkeiten für effiziente Erzeuger in Entwicklungsländern.  Der Bericht bekräftigt darüber hinaus, die industrialisierten Länder, die maßgeblich zur globalen Erwärmung beigetragen haben, müssten armen Bauern dringend stärker dabei helfen, ihre Produktionssysteme an den Klimawandel anzupassen.

 

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