Kontakt: In Washington: Merrell Tuck +1 (202) 473-9516 mtuckprimdahl@worldbank.org Rebecca Ong +1 (202) 458-0434 rong@worldbank.org TV/Rundfunk: Mehreen Sheikh +1 (202) 458-7336 msheikh1@worldbank.org Bangkok, 21. Januar 2010—Die gegenwärtige Erholung der Weltwirtschaft wird sich im weiteren Jahresverlauf abschwächen, da staatliche Konjunkturprogramme an Wirkung verlieren. Die Lage an den Finanzmärkten bleibt schwierig und die private Nachfrage angesichts der hohen Arbeitslosigkeit schwach, so ein neuer Bericht der Weltbank. Der heute vorgestellte Bericht Global Economic Prospects 2010 warnt, dass die schlimmste Phase der Finanzkrise zwar möglicherweise vorüber ist, die Erholung der Weltwirtschaft aber labil ist. Er prognostiziert, dass die Folgen der Krise die Rahmenbedingungen für Finanzen und Wachstum in den nächsten 10 Jahren verändern werden. Das weltweite BIP, das im Jahr 2009 um 2,2 Prozent sank, soll Erwartungen zufolge um 2,7 Prozent in diesem Jahr und 3,2 Prozent im Jahr 2011 steigen. Für die Entwicklungsländer wird eine relativ robuste Erholung erwartet, das Wachstum soll 5,2 Prozent in diesem und 5,8 Prozent im nächsten Jahr betragen, nach 1,2 Prozent im Jahr 2009. Das BIP in reichen Ländern, das im Jahr 2009 um 3,3 Prozent sank, soll weniger stark steigen, nämlich um 1,8 Prozent im Jahr 2010 und 2,3 Prozent im Jahr 2011. Der Welthandel brach 2009 um atemberaubende 14,4 Prozent ein, soll sich in diesem und dem nächsten Jahr aber 4,3 bzw. 6,2 Prozent zulegen. Das ist zwar das wahrscheinlichste Szenario, dennoch trüben erhebliche Ungewissheiten den Ausblick. Je nachdem, wie sich das Konsum- und das Geschäftsklima in den nächsten Quartalen entwickeln, und abhängig vom Zeitplan für das Auslaufen der fiskal- und geldpolitischen Anreizprogramme könnte das Wachstum im Jahr 2011 nur 2,5 Prozent, aber auch bis zu 3,4 Prozent betragen. „Leider ist nicht zu erwarten, dass sich die Weltwirtschaft über Nacht von dieser tiefen, schmerzvollen Krise erholt, denn es wird viele Jahre dauern, ehe die Volkswirtschaften und die Beschäftigung wieder die alten Niveaus erreichen. Die Armen werden einen ganz realen Preis dafür zahlen müssen”, erklärt Justin Lin, Chefökonom der Weltbank und Senior Vice President für Development Economics. „Die ärmsten Länder—jene, die von Zuschüssen und Vorzugskrediten abhängig sind—werden möglicherweise 30–50 Milliarden US-Dollar an zusätzlichen Mitteln benötigen, um allein die vor der Krise initiierten Sozialprogramme aufrecht erhalten zu können.“ In diesem nach wie vor schwachen Umfeld dürften die Ölpreise weitgehend stabil bleiben, bei durchschnittlich rund 76 US-Dollar je Barrel, während andere Rohstoffpreise in den Jahren 2010 und 2011 voraussichtlich nur um 3 Prozent pro Jahr steigen sollten. Der Bericht warnt, dass es trotz der Rückkehr zu positivem Wachstum einige Jahre dauern werde, ehe die Volkswirtschaften die bereits entstandenen Verluste wieder ausgeglichen haben. Schätzungsweise würden im Jahr 2010 rund 64 Millionen mehr Menschen in extremer Armut (von weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag) leben, als wenn die Krise nicht ausgebrochen wäre. Darüber hinaus ist zu erwarten, dass in den nächsten 5 bis 10 Jahren die erhöhte Risikoabneigung, eine besonnenere Regulierung und die notwendige Eindämmung der risikoreichen Kreditvergabepraktiken aus der Boomphase vor der Krise zu einer Verknappung und Verteuerung von Kapital für Entwicklungsländer führen dürfte. „Bei restriktiveren internationalen Finanzierungsbedingungen werden Unternehmen in Entwicklungsländern durch höhere Kreditkosten, eine geringere Kreditverfügbarkeit und schwächere internationale Kapitalflüsse belastet werden. Daher könnten in den nächsten 5 bis 7 Jahren die Trendwachstumsraten in Entwicklungsländern 0,2 bis 0,7 Prozent niedriger ausfallen, als wenn Finanzmittel weiterhin so reichlich und günstig zur Verfügung stünden wie in der Boomphase”, sagt Andrew Burns, hauptverantwortlicher Verfasser des Berichts. Zwar dürften davon alle Formen von Finanzmitteln betroffen sein, ausländische Direktinvestitionen indes weniger stark als Kreditmittel. Für Muttergesellschaften werden sich allerdings die Kapitalkosten erhöhen, was ihre Fähigkeit zur Finanzierung einzelner Produkte einschränkt. In der Folge sollen die Zuflüsse an ausländischen Direktinvestitionen laut Prognosen vom jüngsten Hoch von 3,9 Prozent des BIP von Entwicklungsländern im Jahr 2007 mittelfristig auf rund 2,8 bis 3,0 Prozent sinken. So ein Rückgang könnte massive Konsequenzen haben, da ausländische Direktinvestitionen bis zu 20 Prozent der Gesamtinvestitionen in Subsahara-Afrika, Europa, Zentralasien und Lateinamerika ausmachen. „Entwicklungsländer können sich den internationalen Finanzierungsbedingungen zwar nicht entziehen, doch sie können und sollten die Kreditkosten im Inland senken und die lokalen Kapitalmärkte durch den Ausbau regionaler Finanzzentren, die Stärkung des Wettbewerbs und eine bessere Regulierung des lokalen Bankensektors fördern“, erklärt Hans Timmer, Direktor der Prospects Group der Weltbank. „Diese Maßnahmen werden zwar wohl erst nach einiger Zeit Früchte tragen, könnten aber den Zugang zu Kapital verbessern und den Entwicklungsländern wieder das höhere Wachstum wie vor der Krise bringen.“ Der Bericht zeigt auf, dass die sehr laxen internationalen Finanzierungsbedingungen von 2003 bis 2007 zum Finanz- und Wachstumsboom in den Entwicklungsländern beitrugen. Durch die viel niedrigeren Kreditkosten nahmen die internationalen Kreditflüsse und die Kreditvergabe durch inländische Banken zu, was zu einem Anstieg der Investitionsraten um 30 Prozent in den Entwicklungsländern beitrug. Die daraus resultierende Erhöhung des Kapitalbestands erklärte mehr als die Hälfte des Anstiegs der Wachstumsrate der potenziellen Produktionsmenge um 1,5 Prozentpunkte in den Entwicklungsländern. Das sehr kräftige Wachstum in Entwicklungsländern während der Boomphase mag zwar das zugrunde liegende Wachstumspotenzial widerspiegeln, doch die weltweiten Finanzierungsbedingungen, die diese Entwicklung anheizten, waren auf Dauer zweifellos untragbar. Um weitere Informationen zum GEP 2010 zu erhalten, besuchen Sie www.worldbank.org/gep2010, um den Bericht herunterzuladen, oder www.worldbank.org/globaloutlook für den Zugriff auf interaktive Daten. -#- Journalisten können vor Ablauf der Sperrfrist über das Online Media Briefing Center der Weltbank unter http://media.worldbank.org/secure auf das Material zugreifen. Akkreditierte Journalisten können ein Passwort anfordern, sofern sie noch keines besitzen, indem sie das Registrierungsformular unter http://media.worldbank.org/ ausfüllen.
Fact Sheet--Global Economic Prospects 2010: Regionaler Ausblick Die Region Ostasien und Pazifik führte dank umfassender fiskalpolitischer Maßnahmen und der kräftigen Binnennachfrage die Erholung der Weltwirtschaft im vergangenen Jahr an. China war mit einem Wachstum von 8,4 Prozent im vergangenen Jahr der regionale Wachstumsmotor, was bei einem prognostizierten chinesischen BIP-Wachstum von 9 Prozent auch in diesem Jahr so bleiben dürfte. Das BIP in der Region ist 2009 um schätzungsweise 6,8 Prozent gestiegen und soll sich in diesem Jahr um 8,1 Prozent erhöhen. Kapital fließt wieder in die Region und die Entwicklungen an den örtlichen Finanzmärkten liefern der Erholung weitere Impulse. Die anhaltenden Überkapazitäten im verarbeitenden Gewerbe und das nur mäßig höhere Wachstum des Welthandels werden eine Beschleunigung des BIP-Wachstums um deutlich mehr als 8,2 Prozent im Jahr 2011 verhindern. Angesichts der in vielen Ländern bereits zuvor bestehenden Probleme (insbesondere die Leistungsbilanzdefizite infolge der massiven Ungleichgewichte zwischen Ersparnissen und Investitionen im Privatsektor) traf die Krise die Entwicklungs- und Schwellenländer in Europa und Zentralasien am härtesten, so dass das BIP 2009 um geschätzte 6,2 Prozent sank. Zwar soll das BIP laut Prognosen um 2,7 Prozent im Jahr 2010 und 3,6 Prozent im Jahr 2011 steigen, doch die Wachstumsraten werden in den meisten Ländern unter ihren Möglichkeiten bleiben. Die Arbeitslosigkeit und Umstrukturierungen im Bankensektor werden weiterhin bedeutende Faktoren bleiben. Eine deutlich höhere Zahl notleidender Kredite, höhere Zinssätze und schwache internationale Kapitalflüsse werden kurzfristig bedeutende Probleme bleiben. Im Vergleich zu der Zeit vor der Krise dürften die hohe Zahl notleidender Kredite, die schwachen Staatsfinanzen und die geringen internationalen Kapitalflüsse in vielen Ländern das Investitionswachstum dämpfen. Darüber hinaus bestehen nach wie vor beträchtliche Abwärtsrisiken, unter anderem sind ein sog. „Double Dip“-Szenario oder größere finanzielle Schwierigkeiten für Banken in der Region nicht auszuschließen. Trotz der besseren internationalen Finanzierungsbedingungen und Anpassungen im Inland dürfte der Bedarf an ausländischen Finanzierungsmitteln in der Region die Zuflüsse im Jahr 2010 um bis zu 54 Milliarden US-Dollar übersteigen. Verbesserte Fundamentaldaten halfen der Region Lateinamerika und Karibik, diese Krise deutlich besser zu überstehen als in der Vergangenheit. Nach einem geschätzten Rückgang des BIP um 2,6 Prozent im vergangenen Jahr soll die regionale Produktion im Jahr 2010 um 3,1 Prozent und im Jahr 2011 um 3,6 Prozent steigen. Gleichwohl wird das Wachstum aufgrund der schwächeren Investitionen nicht die Niveaus der Boomjahre erreichen. Überweisungen und bis zu einem gewissen Grad der Tourismus (für die Karibikstaaten zwei wichtige Quellen für ausländische Finanzmittel) dürften sich Erwartungen zufolge in den Jahren 2010 und 2011 nur leicht erholen, da die schlechte Lage am Arbeitsmarkt in den Vereinigten Staaten und anderen Hocheinkommensländern belastet. Große Herausforderungen werden unter anderem der Abbau der Anreizmaßnahmen, eine fiskalpolitisch nachhaltige Unterstützung der Arbeitslosen und die Wahrung der Offenheit für den internationalen Handel und internationale Investitionen sein. Die Region Naher Osten und Nordafrika war von der Krise weniger stark betroffen als andere Regionen. So sank das BIP-Wachstum insgesamt nur auf 2,9 Prozent im Jahr 2009. Das Wachstum in Öl importierenden Entwicklungsländern betrug im Jahr 2009 schätzungsweise 4,7 Prozent. Unter den Öl exportierenden Entwicklungsländern gab das Wachstum auf 1,6 Prozent nach, was auf die gedrosselte Ölförderung und gesunkene Öleinnahmen zurückging. Für die Region insgesamt soll das BIP Prognosen zufolge um 3,7 Prozent im Jahr 2010 und 4,4 Prozent im Jahr 2011 steigen. Voraussetzungen für die prognostizierte Erholung sind die Belebung der weltweiten Ölnachfrage, die Stabilisierung der Ölpreise und die Erholung in den wichtigsten Exportmärkten. Die fiskalpolitischen Anreize werden zwar schrittweise abgebaut, doch ein moderater Anstieg der Konsum- und Investitionsausgaben dürfte ein kräftigeres Wachstum stützen. An Südasien scheinen die schlimmsten Auswirkungen der Krise vorübergegangen zu sein. Dennoch bedeutet das geschätzte BIP-Wachstum von 5,7 Prozent im Jahr 2009 (dieselbe Wachstumsrate wie 2008) eine deutliche Verlangsamung im Vergleich zu den Boomjahren, die hauptsächlich auf den markanten Rückgang des Investitionswachstums zurückzuführen ist. Private Kapitalzuflüsse—ein wichtiger Übertragungskanal für die Krise—haben in Südasien einen weniger bedeutsamen Anteil am BIP (besonders ausländische Direktinvestitionen) als in den meisten anderen Regionen. Auch präsentierte sich die Binnennachfrage in der Region vergleichsweise robust und wurde von antizyklischen wirtschaftspolitischen Maßnahmen aufgefangen. Das Wachstum dürfte sich auf 6,9 Prozent im Jahr 2010 und 7,4 Prozent im Jahr 2011 erholen. Die Region Subsahara-Afrika wurde ebenfalls hart getroffen. Anfänglich machte sich die Krise im Handel, bei ausländischen Direktinvestitionen, im Tourismus, bei den Überweisungen und bei offiziellen Hilfsleistungen bemerkbar. Schätzungen zufolge ist das regionale BIP im vergangenen Jahr nur um 1,1 Prozent gestiegen. Ölexporteure und Mitteleinkommensländer waren stärker betroffen als Niedrigeinkommensländer, fragile Staaten und weniger integrierte Länder—jedenfalls zunächst. Im Jahr 2010 dürfte das BIP in den Ländern in Subsahara-Afrika, ohne Südafrika, um 4,8 Prozent steigen, bei 4,2 Prozent Wachstum in fragilen Staaten und 4,8 Prozent Wachstum in Niedrigeinkommensländern. Nachdem es 2009 um 1,8 Prozent geschrumpft ist, dürfte das südafrikanische BIP dieses Jahr um 2 Prozent steigen, während sich das Wachstum in Mitteleinkommensländern auf 3,5 Prozent beschleunigen sollte. Die Aussichten für die Region insgesamt bleiben ungewiss und die Stärke der Erholung wird in hohem Maße von der Nachfrage aus wichtigen Exportmärkten abhängen. |